Arbeitsmoral Französin droht Strafe wegen Läster-Buch
Paris - Dass dieses Buch nicht so ganz ernst gemeint sein kann, merkt man schon an den Kapitel-Überschriften wie "Die Cretins im Nebenzimmer" oder "Die schönsten Betrügereien". Die Schlussfolgerung beginnt mit der Aufforderung: "Beginnen Sie morgen damit, Ihre Arbeit zu unterhöhlen!"
Mit dem Buch "Bonjour Paresse" ("Hallo Faulheit") hat Maier eine ironische Schimpfkanonade auf die Unternehmenskultur französischer Großunternehmen losgelassen. Sie stellt beispielsweise fest, dass immer gerade die Mitarbeiter befördert werden, die am wenigsten leisten, damit Sie an höherer Stelle keinen Schaden mehr anrichten. Deshalb empfiehlt sie Angestellten, möglichst wenig zu arbeiten und das System so von innen heraus zu bekämpfen.
Das Staatsunternehmen Electricité de France (EDF) nahm die Publikation des Buches allerdings nicht mit Humor. Maier, die dort als Teilzeitkraft angestellt ist, wurde im Rahmen eines Disziplinarverfahrens für den 17. August einbestellt. In der Vorladung wird der schreibenden Mitarbeiterin laut "Financial Times" (FT) vorgeworfen, sie habe während Besprechungen Zeitung gelesen und sei vor deren Ende gegangen.
Französische Gewerkschafter kritisierten EDF wegen der geplanten Bestrafung. Sie beriefen sich auf die Meinungsfreiheit und verwiesen darauf, dass Maier ihren eigenen Arbeitgeber in dem Buch mit keinem Wort erwähnt hatte. Die Autorin selbst gab sich angesichts des drohenden Ärgers völlig entspannt. Sie sei am 17 August im Urlaub, sagte sie der "FT", das Gespräch müsse deshalb auf September verschoben werden.