Arbeitsnomaden: Rund 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigen pendeln - DER SPIEGEL
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Arbeitsnomaden Rund 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigen pendeln

Volk der Pendler: Immer mehr Berufstätige in Deutschland legen beachtliche Strecken zur Arbeit zurück. Einer Studie zufolge arbeiten rund 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weit entfernt von ihrem eigentlichen Wohnort.
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Nürnberg - Es geht vom Land in die Stadt, vom Osten in den Westen, oder montags von Berlin nach Hamburg und freitags wieder zurück. Vor allem Hochqualifizierte nehmen inzwischen weite Strecken zur Arbeit auf sich, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Insgesamt stieg der Anteil der Pendler an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten demnach zwischen 1995 und 2005 von 31 auf 40 Prozent.

Pendler am Hamburger Bahnhof: Vor allem viele Hochqualifizierte fahren weitere Wege zur Arbeit

Pendler am Hamburger Bahnhof: Vor allem viele Hochqualifizierte fahren weitere Wege zur Arbeit

Foto: DPA

Nicht untersucht haben die Wissenschaftler, welche Strecken im Schnitt auf dem Weg zur Arbeit zurückgelegt werden. Als Pendler gilt in der Studie jeder Beschäftigte, dessen Arbeitsstelle in einem anderen Kreis liegt als sein Wohnort.

Vor allem der Pendlerstrom von Ost nach West ist beeindruckend. Während im Jahr 2005 etwa 366.000 Beschäftigte aus Ostdeutschland zum Arbeiten in den Westen fuhren, traten nur 77.000 Westdeutsche den umgekehrten Weg an. Im Jahr 2006 pendelten 295.000 Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt.

Besonders entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze sei der Pendlersaldo sehr hoch, erklärten die Wissenschaftler. Arbeitnehmer könnten dort ihre vergleichsweise günstigen Wohnsitze im Osten behalten und dabei ohne hohe Fahrtkosten von höheren Westlöhnen profitieren.

Doch auch große Städte wie Hamburg, München, Leipzig oder Ballungsräume wie das Ruhrgebiet sind der Studie zufolge wichtige Pendlermagneten. Vor allem in den westlichen Bundesländern entdeckten die Forscher zudem den Trend, dass sich rund um größere Städte neue Produktions- und Dienstleistungsstrukturen bildeten, die ebenfalls Pendler anziehen.

Dass die Zahl der Pendler unter den Hochqualifizierten so hoch ist, liege schlicht daran, dass sie bessere Jobchancen haben. Im Westen sei dieser Trend immer noch stärker als im Osten, hieß es. Große Städte böten gerade Höherqualifizierten attraktive Arbeitsplätze. Für Geringqualifizierte dagegen gingen die Jobchancen weiter zurück und ihr Anteil an der Gruppe der Pendler nehme ab.

Den grundsätzlichen Trend zum Pendeln erklären die Arbeitsmarktforscherinnen Anette Haas und Silke Hamann folgendermaßen: "Im Vergleich zum Wohnortwechsel ist Pendeln häufig die günstigere Alternative, um die eigene Arbeitsmarktsituation zu verbessern." Bedenklich finden die Wissenschaftlerinnen die Entwicklung nicht. Pendler stärkten ihre Heimatregion, da sie dort die Güternachfrage erhöhten und bei einer Besserung der Arbeitsmarktlage lokal ansässigen Firmen als Arbeitskräfte zur Verfügung stünden. Die Abwanderung von gut qualifizierten Beschäftigten schwäche dagegen die Region meist dauerhaft.

ase/AP