Arbeitsplätze Der Kahlschlag geht weiter
München - Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sollen bei KarstadtQuelle zusätzlich zu dem bereits geplanten Abbau von 7.000 Teilzeit- und Vollzeitjobs in den Jahren 2001/2002 weitere 2.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Zudem befänden sich 60 bis 70 der insgesamt 189 Warenhäuser auf dem Prüfstand. Für sie sollten neue Nutzungsmöglichkeiten gesucht werden.
"Wegen der schleppenden Umsätze wird in den Filialen über zusätzliche Personalanpassungen gesprochen", zitierte das Blatt ein Betriebsratsmitglied. Auch Pläne von Konzernchef Wolfgang Urban, freiwillige Sozialleistungen zu streichen, seien offenbar noch nicht zu den Akten gelegt. Hierüber gebe es nach Angaben von Arbeitnehmervertretern Gespräche mit dem neuen Gesamtbetriebsrat, schrieb die Zeitung.
Deutschlands größter Warenhauskonzern wird von der Konsumflaute besonders getroffen, weil das Unternehmen seinen Schwerpunkt - anders als etwa der große Konkurrent Metro - noch immer eindeutig im deutschen Markt hat und hier rund 90 Prozent seines Umsatzes macht.
Zudem belasten den Konzern Verluste bei dem Reiseunternehmen Thomas Cook, an dem KarstadtQuelle 50 Prozent hält. Urban hatte auf der Hauptversammlung bereits erklärt, KarstadtQuelle werde in seinem Halbjahresergebnis noch tiefer in die roten Zahlen rutschen als im ersten Quartal. Damals hatte das Unternehmen ein Konzernergebnis vor ertragsabhängigen Steuern von minus 120 Millionen Euro ausgewiesen.
Auch in der deutschen Metall- und Elektroindustrie steht nach Ansicht der Arbeitgeber wegen der weiterhin schwachen Konjunktur ein gewaltiger Stellenabbau bevor. Rund 200.000 Arbeitsplätze seien gefährdet, sagt der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Die Produktion der Branche sei Ende Juli gemessen am Vorjahr um fünf Prozent gesunken, sagte der Verbandspräsident. Bei einem Produktivitätszuwachs von drei Prozent könne die Beschäftigung also rein rechnerisch um acht Prozent niedriger sein. Bisher hätten die Unternehmen ihre Belegschaften aber erst um 2,2 Prozent verringert, rund 6 Prozent der Arbeitnehmer seien damit nicht ausgelastet, so Kannegiesser.
Die rund 6 200 Mitgliedsfirmen hätten zuletzt im Durchschnitt eine Umsatzrendite von weniger als 1,5 Prozent erwirtschaftet, dabei lägen 40 Prozent der Betriebe "um die Null-Linie oder darunter", sagte der Verbandschef. Zuletzt sei die Zahl der Erwerbslosen in der Stahlbranche mit 13,1 Prozent doppelt so stark angestiegen wie in der Gesamtwirtschaft.