Arbeitszeiten: Die Wochenendschicht hat Konjunktur - DER SPIEGEL
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Arbeitszeiten Die Wochenendschicht hat Konjunktur

"Samstags gehört Vati mir" – mit diesem Slogan wehrten sich die Gewerkschaften jahrelang erfolgreich gegen die Ausdehnung der Arbeitszeiten auf das Wochenende. Doch der Abwehrkampf ist längst verloren. Nacht- und Wochenendschichten sind fester Bestandteil der Arbeitswelt.
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Berlin - Inzwischen arbeiteten 47 Prozent der männlichen und 40 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer auch am Samstag, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes. 1991 seien es bei den Männern noch 39 Prozent und bei den Frauen 32 Prozent gewesen. Sonntags gingen mittlerweile 22 Prozent der Arbeitnehmer zur Arbeit, nach 17 Prozent im Jahr 1991. Jeder zehnte Beschäftigte arbeite mittlerweile ausschließlich nachts.

Durchschnittlich arbeitet heute ein Vollzeitbeschäftigter in Deutschland inzwischen auch deutlich länger. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung errechnete bereits für 2003 die "42,4-Stunden-Woche" als tatsächlich geleistete Arbeit - vier Stunden mehr, als das Institut für die in Tarif- und sonstigen Arbeitsverträgen vereinbarte Zeit ansetzte. Die durchschnittliche tarifliche Wochenarbeitszeit lag Ende 2004 in Westdeutschland bei 37,4 Stunden, im Osten bei 39 Stunden. Auch sie steigt, zuletzt wieder durch die einstündige Verlängerung auf 40 Stunden in der Bauwirtschaft.

Nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) macht inzwischen jeder vierte tarifgebundene Betrieb von den vereinbarten Möglichkeiten Gebrauch, die Arbeitszeit für seine Mitarbeiter zu verlängern oder auch zu verkürzen - je nachdem, wie die Auftragslage gerade ist.

Allerdings verfallen Gutschriften auf Arbeitszeitkonten inzwischen in jedem dritten Betrieb, weil die Beschäftigten nicht dazu kommen, sie abzubauen. Nicht planbare Arbeitszeiten nerven und belasten Beschäftigte dabei mehr als längere Arbeitszeiten, wie sich in einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung des WSI herausstellte. Von der einst versprochenen "Zeitsouveränität" sei im Arbeitsalltag kaum etwas zu spüren.