Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst Gewerkschaften drohen mit Streik
Berlin - "Im Zweifelsfall werden wir auch kämpfen dagegen", sagte DGB-Chef Michael Sommer im ZDF. Es könne nicht sein, dass immer wieder öffentlich Bedienstete zur Sanierung der Staatskassen herangezogen würden.
Eine Verlängerung der Arbeitszeiten sei grundsätzlich für einen falschen Weg. "Länger arbeiten vernichtet Arbeitsplätze, blockiert Neueinstellungen und nimmt damit Arbeitslosen die Chance, in Arbeit zu kommen", sagte er der "Financial Times Deutschland". "Die Verlängerung der Arbeitszeit allein im öffentlichen Dienst würde mehr als 100.000 Stellen vernichten", behauptete Sommer. In Ausnahmefällen könne allerdings "zeitlich befristete Mehrarbeit ein Ausweg aus der Krise eines Unternehmens sein".
Die Ministerpräsidenten der Länder hatten am Donnerstag die Kündigung der Arbeitszeitverträge für die westdeutschen Angestellten im öffentlichen Dienst beschlossen. Ziel ist die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden pro Woche. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) fordert sogar die 42-Stunden-Woche. Der öffentliche Dienst könne damit Vorbild für die Wirtschaft sein.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sprach sich in der ARD gegen längere Arbeitszeiten, aber für mehr Flexibilität aus. Die Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan (SPD), forderte in derselben Sendung mehr Kooperation auf beiden Seiten: "Wir brauchen vor allem bezogen auf die Lebensarbeitszeit sehr viel mehr Flexibilität."
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo (CDU) unterstützte dagegen die Forderungen nach längerer Wochenarbeitszeit. "Deutschland muss sich besser aufstellen für den internationalen Wettbewerb. Spätestens mit der EU-Erweiterung klopft die Globalisierung direkt an unsere Haustür", sagte er der "Sächsischen Zeitung".