Arcelor-Übernahme: Stahlbaron sucht neue Freunde - DER SPIEGEL
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Arcelor-Übernahme Stahlbaron sucht neue Freunde

Mehrere europäische Regierungen lehnen eine Übernahme von Arcelor, Nummer zwei auf dem Stahlmarkt, durch den indischen Weltmarktführer Mittal Steel ab. Arcelor selbst wehrt sich ebenfalls. Nun sucht Lakshmi Mittal in Gewerkschaften neue Verbündete.
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Hamburg - Ja, heißt es heute bei der IG Metall in Frankfurt, eine Anfrage von dem erfolgreichen Inder für ein Gespräch gebe es. Ein Termin stehe jedoch nicht fest. Auch sei unklar, wer das Gespräch auf Seiten der IG Metall führen werde. Der "Tagesspiegel" hatte zuvor berichtet, Mittal wolle noch in dieser Woche in Frankfurt mit Gewerkschaftsvertretern zusammentreffen, um Fragen der Mitbestimmung und Sicherheiten für deutsche Stahl-Standorte zu erörtern.

Arcelor betreibt in Deutschland Stahlwerke in Eisenhüttenstadt (Brandenburg), Unterwellenborn (Thüringen) und in Bremen mit insgesamt mehr als 9000 Beschäftigten. Aus Sorge um die Arbeitsplätze hatten sich die dortigen Betriebsräte gegen die Übernahme ausgesprochen. Mittal, heißt es, wolle nun den Arbeitnehmervertretern seine Pläne erläutern.

Der indischstämmige Brite, der nach Microsoft-Gründer Bill Gates und dem US-Investor Warren Buffet als drittreichster Mann der Welt gilt, bietet für die Übernahme des Konkurrenten Arcelor mit Sitz in Luxemburg rund 18,6 Milliarden Euro. Sollte der Kauf gelingen, entstünde ein Weltkonzern mit rund 340.000 Mitarbeitern und fast 70 Milliarden Dollar Umsatz. Neue Nummer zwei auf dem Markt für Stahl wäre dann die japanische Nippon Steel.

Luxemburg und Spanien haben sich bereits gegen die Übernahmeofferte von Mittal ausgesprochen, Frankreich nimmt nach anfänglicher Ablehnung eine differenzierte Haltung ein. Belgien, deren Region Wallonie mit 2,4 Prozent an Arcelor beteiligt ist, ist derzeit noch unentschieden. Die wallonische Regierung will ihren Anteil gleichwohl unabhängig vom Ausgang verkaufen, um mit dem Erlös die Wirtschaft der Region anzukurbeln.

Finanzexperten rechnen mit höherem Angebot

Arcelor-Vorstandschef Guy Dollé und Mittal trafen heute - jeweils getrennt - zu Gesprächen mit Belgiens Premierminister Guy Verhofstadt zusammen. Dollé suchte beim Regierungschef Unterstützung in der Abwehr des Übernahmeversuchs, Mittal warb für seinen Plan. Verhofstadt äußerte sich nach den Gesprächen zurückhaltend: Belgien werde sich dem Thema "rational" annähern und die Pläne beider Unternehmen analysieren, sagte er am Abend.

Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge prüft Arcelor zur Abwehr des Mittal-Angebots den Kauf von U.S. Steel. Durch den Erwerb würden die Schulden Arcelors deutlich steigen, das Unternehmen würde dadurch für Mittal möglicherweise unattraktiver, zitiert das Blatt Investmentbanker.

Führende Hedge-Fonds rechnen nach Informationen der "Financial Times" unterdessen mit einem höheren Angebot für Arcelor. Mehrere Fonds hätten deshalb bereits Arcelor-Aktien zugekauft. Nach Ansicht von Stahlanalyst Michael Broeker muss Mittal von seinen 28,21 Euro je Aktie auf bis zu 40 Euro hochgehen.

kaz/rtr/AP/dpa/ddp