Argentinien Angst vor dem Staatsbankrott
Buenos Aires - Heute fiel der argentinische Aktienindex Merval erneut um 8,63 Punkte auf 411,53 Zähler, nachdem es Wirtschaftsminister Domingo Cavallo nicht gelungen war, das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Das Länderrisiko stieg angesichts einer befürchteten Zahlungsunfähigkeit des Landes auf 1300 Basispunkte.
"Die Märkte sind nervös", urteilt Günter Köhne, Volkswirt bei der Dresdner Bank Lateinamerika. "Argentinien macht 20 Prozent des gesamten Anleihemarktes der Schwellenländer aus." Seit drei Jahren verharrt das Land in einer Rezession, mit Domingo Cavallo ist innerhalb eines Monats der dritte Wirtschaftsminister angetreten. Der Schuldendienst beläuft sich inzwischen auf 128 Milliarden Dollar.
Alle zwei Wochen schichtet die argentinische Regierung ihre kurzfristigen Schuldtitel um. Dieses Mal waren 750 Millionen Dollar ausgeschrieben. Angeblich wollten die Banken jedoch die Anleihen nur zu einer sehr hohen Verzinsung kaufen; der Staat verschob die Ausschreibung. "Die Frage ist jetzt, wie lange die Regierung das durchhalten kann", sagt Köhne.
Bislang ist es Cavallo, der vor zehn Jahren Argentinien aus der Hyperinflation führte, noch nicht gelungen, das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln. Seit zehn Jahren ist der argentinische Peso im Verhältnis 1:1 an den Dollar gebunden. 70 Prozent der Schulden des Staats und der Privaten müssen in Dollar bezahlt werden. Da sorgten Cavallos Pläne, die Koppelung an den Dollar durch einen Währungskorb zu ersetzen, für einige Unruhe.
"Das Vertrauen in die Wirtschaftsführung hat stark abgenommen", warnt Lateinamerika-Experte Köhne. "Wenn sich das Konsumentenvertrauen nicht erholt, wird auch die Industrieproduktion nicht wieder anziehen." Das würden auch die Finanzmärkte anderer Schwellenländer zu spüren bekommen, allen voran Nachbar Brasilien, "obwohl die Wirtschaft dort sehr gut dasteht".
Vorerst steht Argentinien unter verschärfter Beobachtung. US-Präsident George Bush hat bereits erklärt, seine Regierung verfolge die Situation genau. Wenn nötig, würden die USA auch weitere finanzielle Hilfen geben. Erst im Dezember hatte Argentinien unter der Federführung des Internationalen Währungsfonds ein Paket in Höhe von 39,7 Milliarden Dollar zugesprochen bekommen.