Asbest Erkrankungsfälle nehmen zu
Köln - Nach Angaben des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften starben im vergangenen Jahr bundesweit rund 950 Frauen und Männer an Asbestfolgekrankheiten. Das sei zwar ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als tausend Todesfälle im Zusammenhang mit Asbest registriert wurden, sagte Sprecher Andreas Baader am Donnerstag. Die Zahl der Renten für Asbest-Betroffene sei aber stark um rund 1700 neue Fälle gestiegen. Ende des vergangenen Jahres bezogen insgesamt 7000 Frauen und Männer eine solche Rente.
In vielen Energieversorgungsunternehmen laufen Vorsorgeprogramme, um Krebserkrankungen möglichst früh zu erkennen. Die RWE-Tochter Rheinbraun will allen aktiven und ausgeschiedenen Mitarbeitern ihrer Kraftwerke ein weiteres Untersuchungsangebot zur Vorsorge anbieten. Das beträfe rund 14.000 Frauen und Männer, hieß es. Bei der e.on-Stromtochter e.on Energie sollen insgesamt rund 20.000 Mitarbeiter erneut zu einem möglichen Kontakt mit Asbest befragt werden. Derartige Befragungen habe es in regelmäßigen Abständen seit Mitte der achtziger Jahre gegeben, sagte ein e.on-Sprecher. Aber auch in anderen Branchen wie der Chemie- und Metallindustrie wurde nach Angaben der Berufsgenossenschaften vor Jahrzehnten Asbest verwendet.
Nach einem von der Berufsgenossenschaft Feinmechanik und Elektrotechnik vorgelegten Bericht sind im Bereich der Stromerzeugung der RWE seit den achtziger Jahren 119 anerkannte asbestbedingte Berufskrankheiten registriert worden. Dazu zählten 29 Asbestosen, 23 Fälle von Lungenkrebs und 67 Fälle von Rippenfellkrebs. Insgesamt 85 Betroffene seien verstorben.
Höhepunkt noch nicht erreicht
Der Höhepunkt der Asbestfolgeerkrankungen werde in den Jahren bis 2010 erwartet, ergänzte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer in der Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik, Olaf Petermann. Das wahre Ausmaß der Gesundheitsschäden werde erst jetzt sichtbar. "Asbest wurde vorwiegend in den sechziger und siebziger Jahren als Wärmedämmung eingesetzt. Die damit verbundenen Krebserkrankungen brechen im Durchschnitt aber erst 35 Jahre später aus", sagte Petermann. Bisher erliege jeder zweite Betroffene, der wegen Asbest Rente erhalte, seiner Krankheit. Bei Lungenkrebs gebe es aber durch neue Verfahren nun bessere Heilungschancen als noch vor einigen Jahren.
Nach Angaben der Dortmunder Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herrscht seit Anfang 1995 ein komplettes Verbot für die Herstellung, die Verwendung und die Vermarktung von Asbest. Die gesundheitsgefährdende Substanz könne Zwerchfellkrebs, Lungenkrebs und Asbest-Staublunge auslösen. Asbest sei zur Wärmedämmung in den Arbeitsbereichen mit hohen Temperaturen eingesetzt worden, hieß es weiter. Für Altlasten, die mit Asbest belastet sind, gebe es kein Sanierungsgebot, außer im Baubereich wie Wohnungen oder Schulen.