Asem-Gipfel: EU und Asien versprechen Reform des Finanzsystems - DER SPIEGEL
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Asem-Gipfel EU und Asien versprechen Reform des Finanzsystems

Die dramatischen Verluste an den Börsen rufen die Politik auf den Plan: Auf dem Asien-Europa-Gipfel in Peking einigten sie die Chefs von mehr als 40 Staaten darauf, künftig gemeinsam zu handeln - um so eine weitere Zuspitzung der Finanzkrise zu verhindern.
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Peking - Selten waren sich Staatschefs aus aller Welt so einig: Zum Auftakt des Asien-Europa-Gipfels (ASEM) in Peking forderten die mehr als 40 Regierungschefs aus beiden Kontinenten schnelle, entschlossene und abgestimmte Maßnahmen, um eine weitere Zuspitzung der Finanzkrise abzuwenden.

Asem-Gipfel: Merkel und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao

Asem-Gipfel: Merkel und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao

Foto: AFP

"Die Staats- und Regierungschefs äußerten volles Vertrauen, dass die Krise dadurch überwunden werden kann", heißt es. Als Konsequenz aus der Krise müsse es eine umfassende Reform des Finanzsystems geben. Der IWF solle mit anderen globalen Finanzinstitutionen eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung spielen und Ländern, die besonders hart durch die Krise getroffen werden, Finanzhilfe anbieten. Geeignete Initiativen sollen demnach in Absprache mit den Finanzakteuren und wichtigen Finanzinstitutionen möglichst schnell unternommen werden.

"Das heißt, dass wir mehr Verantwortung für internationale Institutionen brauchen, mehr Transparenz bei den Finanzmarktinstrumenten", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Es geht um eine neue Finanzarchitektur - nicht weniger, aber auch nicht mehr." Dafür schlug sie in Peking vier Grundprinzipien vor: "Wir brauchen mehr Transparenz", forderte sie mit Blick auf die Risiken, die Finanzmarktakteure eingehen. Bonus-Zahlungen und Belohnungen müssten künftig an längerfristigen Zielen ausgerichtet sein. Auch sei mehr Aufsicht nicht nur über Banken, sondern auch über Rating-Agenturen nötig.

Merkel bewertete den neuerlichen Einbruch an den Börsen als Ausdruck einer anhaltenden Verunsicherung. "Ich glaube, das zeigt nach wie vor die Unsicherheit, ob die Symptome der Krise schon überwunden sind", sagte sie. Nach den Märkten in Asien und Europa stürzten auch die US-Börsen ab.

Merkel ist unzufrieden mit der Nutzung des Rettungspakets

Mit Blick auf das deutsche Finanzrettungspaket mahnte Merkel, das Angebot werde nicht so genutzt, wie die betroffenen Institute es aus ihrer Sicht nutzen sollten. Es komme nun aber darauf an, die aufgestauten Probleme zielstrebig abzuarbeiten.

Allein im Kreis der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) lassen sich die Probleme laut Merkel nicht lösen. Gerade die aufstrebenden Länder Asiens spielen demnach inzwischen eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten und müssten in die Bemühungen um ein Ende der Krise eingebunden werden. Das gelte besonders für Indien und China. Wie sich die Krise weiter entwickele, könne niemand sagen. Sicher sei aber, dass die nächste Krise noch verheerender ausfallen werde, wenn die Weltgemeinschaft nicht gemeinsam Lehren ziehe.

Aussagen des chinesischen Präsidenten Hu Jintao zufolge ist auch China gegen die Folgen der Finanzkrise nicht gefeit. Deswegen seien schnelle und gemeinsame Reaktionen nötig. "Die globale Finanzkrise hat die Unsicherheiten und Instabilitäten in der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas erhöht", sagte Hu, dessen Land die Bundesrepublik derzeit als Export-Weltmeister ablöst und zu den einflussreichsten Schwellenländern gehört. Ministerpräsident Wen Jiabao sprach von einem schweren Schock für das Wachstum der Weltwirtschaft.

Der Asem-Gipfel gilt als Vorbereitung auf den Weltfinanzgipfel Mitte November in Washington, zu dem auch die wichtigsten Schwellenländer wie China und Indien eingeladen sind. Asien und Europa sollten bei den Beratungen eine gemeinsame Front bilden, sagte der EU-Ratsvorsitzende und französische Präsident Nicolas Sarkozy. Vor der Finanzkrise hatten sich vor allem die USA gegen eine stärkere Regulierung des Marktes gesträubt.

cvk/Reuters/dpa-AFX/ddp/AP