Asien: Schwarzer Montag in Fernost - DER SPIEGEL
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Asien Schwarzer Montag in Fernost

Nach dem Freitagsdesaster an der Wall Street rollt die Welle der Kursverluste rund um den Globus. Zum Teil dramatische Kurseinbrüche an den asiatischen Aktienbörsen läuteten den "Schwarzen Montag" ein.
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Tokio/Frankfurt - An der fernöstlichen Leitbörse in Tokio brach der Nikkei-Index für 225 führende Werte bis zur Handelsmitte um 1750,79 Punkte oder 8,6 Prozent auf 18.683,89 Punkte ein. Das ist der drittgrößte Punktverlust, den die Tokioter Börse jemals auf Schlussbasis erlitt. Der Gesamtmarktwert der an der ersten Sektion notierten Aktien schrumpfte um gigantische 34 Billionen Yen.

Andere Aktienmärkte der Region wurden gleichfalls in den Abwärtssog der Wall Street gerissen. Gegen Mittag (Ortszeit) war das Börsenbarometer in Seoul dramatisch um mehr als zehn Prozent eingebrochen, während der Hongkonger Hang-Seng-Index über acht Prozent verlor und deutlich unter 15.000 Punkte rutschte. Auch der Straits-Times-Index in Singapur musste drastische Einbußen von fast acht Prozent hinnehmen und blieb zunächst nur knapp über 2000 Punkten. Die Indizes in Kuala Lumpur, Bangkok und Jakarta sackten um etwa fünf Prozent.

Nach dem dramatischen Einbruch des Seouler Börsenbarometers Kospi wurde der Handel gleich nach Öffnung des Markts für 20 Minuten automatisch ausgesetzt. Ein entsprechendes System war 1997 eingerichtet worden und wurde am Montag erstmals durch den Kurssturz von mehr als zehn Prozent aktiviert. Der koreanische Technologie-Index Kosdaq war gegen Mittag sogar um fast elf Prozent gefallen.

Am frühen Nachmittag konnte Tokios Börse dann geringfügig wieder Boden gutmachen. Um 12.45 Uhr Ortszeit notierte der Nikkei-Index einen Verlust von 1470,64 Punkten oder 7,1 Prozent. Ein Kursrückgang nach dem Wall-Street-Einbruch sei zu erwarten gewesen, sagte der japanische Finanzminister Kiichi Miyazawa.

Händler in Frankfurt hatten am Wochenende von einem "Ausverkauf bei hohen Umsätzen" in den USA gesprochen. "Rund um den Globus werden die Märkte die herbeigewünschte Korrektur in blindem Gehorsam nachvollziehen", lautete die Prognose eines Händlers für Montag. Ein anderer sprach von einem zu erwartenden "ordentlichen Rutsch": Die Frankfurter Börse werde sich den Vorgaben von der Wall Street ebenso wenig entziehen können wie die Märkte in Fernost.

Die Wall Street hatte am Freitag einen der größten Einbrüche in ihrer Geschichte verzeichnet. Händler machten dafür Spekulationen über eine Leitzinserhöhung wegen der unerwartet hohen US-Teuerungsrate im März verantwortlich.