Atomstrom: Koch ermuntert Konzerne zu AKW-Neubauten - DER SPIEGEL
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Atomstrom Koch ermuntert Konzerne zu AKW-Neubauten

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat die großen Stromkonzerne aufgefordert, bei der Wiederbelebung der Atomkraft mehr Einsatz zu zeigen. Die Unternehmen müssten den Mut haben, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
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Berlin - Koch sagte auf einer Tagung des Atomforums in Berlin, die Debatte über einen Neueinstieg in die Atomkraft könne nicht nur Sache der Politiker sein - auch die Konzerne müssten ihren Teil beitragen. Das Gesetz über den Atomausstieg könne nur dann verändert werden, wenn es eine "verlässliche Chance" gebe, dass die Energieunternehmen auch einen Antrag auf Neubau von Kraftwerken stellen würden.

Die Wirtschaft müsse dann den Mut haben, das Verfahren durchzustehen, forderte Koch - dies werde "eine schwierige Kiste". Er betonte, die Frage nach neuen Kraftwerken stehe nicht sofort, sondern erst nach 2010 an. Er wolle nicht gleich "morgen früh einen Bauantrag".

Koch wiederholte seine Forderung, die Restlaufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. "Angesichts des hohen Sicherheitsstandards sollte die Laufzeit verlängert werden", sagte er. Die Laufzeiten würden - ebenso wie die Versorgungssicherheit und die Strompreise - Thema bei dem für Anfang April geplanten Energiegipfel sein.

Greenpeace: Uran reicht höchstens bis 2070

Koch hob die wirtschaftspolitische Bedeutung der Frage hervor. Deutschland sei das einzige unter den zehn wichtigsten Ländern, das sich nicht mit der Weiterentwicklung und dem Neubau von kerntechnischen Anlagen beschäftige. Der Atomausstieg habe negative Folgen für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit, findet der CDU-Politiker. Die rot-grüne Regierung hatte die Laufzeit der Atomkraftwerke auf 32 Jahre begrenzt. Auf Atomkraftwerke könne erst dann verzichtet werden, wenn es wirtschaftliche Alternativen gebe, sagt Koch.

Die Umweltorganisation Greenpeace hält dagegen - sie legte ebenfalls heute in Berlin eine Studie vor, wonach die Atomkraft die langfristigen Sicherheit der Stromversorgung nicht garantieren könne. Nach Greenpeace-Berechnungen werden die weltweiten Uranvorkommen spätestens im Jahr 2070 ausgebeutet sein. Die Organisation stützt sich dabei nach eigenen Angaben auf Daten der Konferenz für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

"Die CDU muss sich langsam mit der Tatsache befassen, dass Atomkraft unser Land nicht aus seiner energiepolitischen Abhängigkeit führen kann", erklärte dazu der Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer. Er warf Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vor, die Bevölkerung hinters Licht zu führen, wenn er die Sorge vor einer Abhängigkeit von Russland am Gasmarkt dazu nutze, um für die Atomenergie zu werben. Laut Greenpeace kamen 2004 auch etwa ein Viertel der Uranlieferungen an die Europäische Union aus Russland. Weitere große Lieferanten seien Australien, Kanada, Kasachstan, Usbekistan und Niger.

Koch forderte bei seinem Berliner Auftritt auch, die Entwicklung alternativer Energiegewinnung voranzutreiben. Besonderes Potential, auch für den Export, sieht er beispielsweise in der Photovoltaik, der Brennstoffzelle, der Kraft-Wärme-Kopplung und in Biobrennstoffen.

itz/ddp/AFP/dpa