Attacke auf A380 Boeing hofft auf Jumbo-Nachfolger
Hamburg - Mit seiner forschen Prognose hatte Boeing-Manager Scott Carson noch im vergangenen Jahr die Märkte überrascht. Man werde Airbus schlagen, hatte der Vertriebschef der Verkehrsflugzeugsparte im April 2005 verkündet. Am Ende hatten die Europäer dennoch die Nase vorne, wenn auch nur knapp. Entsprechend hielt sich Carson nun bei Vorhersagen zurück. "Ich kann lediglich sagen, dass sich der Markt zu unserer Zufriedenheit entwickelt", sagte er vor Journalisten in Hamburg.
Dennoch sparte Carson nicht mit Kampfansagen in Richtung des europäischen Erzrivalen. Besonders viel Aufmerksamkeit schenkte er dabei dem geplanten Nachfolger der Boeing 747. "Wir erwarten, dass es in den nächsten 20 Jahren auf dem Markt für Flugzeuge in der Größenordnung der 747 und größer eine Nachfrage von rund 900 Maschinen weltweit geben wird", erklärte der Boeing-Mann. Davon entfallen demnach 300 Flugzeuge auf die Klasse für 400-500 Passagiere, weitere 300 auf die Klasse für mehr als 500 Passagiere und die restlichen 300 auf das Großraumfrachtergeschäft. Vor allem um das Frachtervolumen werden die neue 747 und der A380 laut Carson konkurrieren.
Neue 747 hebt Ende 2008 ab
Boeing steht unter Handlungsdruck. Bislang dominierten die Amerikaner mit ihrem Jumbo Jet den Markt für Großraumflieger. Doch Airbus will Ende des Jahres den ersten doppelstöckigen A380 an Singapore Airlines übergeben. Dann hat es Boeing erstmals in der Konzerngeschichte in diesem Segment mit einem echten Wettbewerber zu tun.
Lange sah es so aus, als ob sich der US-Konzern dem A380-Angriff kampflos ergeben würde. Boeing-Verantwortliche ließen keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass die Ära der Riesenflugzeuge eigentlich vorbei sei. Die Zukunft gehöre der 787, einem zweistrahligen Jet für mittlere bis lange Distanzen, der aufgrund seiner neuen Bauweise äußert sparsam unterwegs ist.
Im November vergangenen Jahres riss Boeing jedoch bei der 747 das Ruder herum. Der US-Konzern kündigte an, eine neue Version aufzulegen. Das Modell - werksintern Dash Eight, Strich Acht, genannt - soll Ende 2008 seinen Erstflug absolvieren. Im Jahr darauf könnte der US-Hersteller mit der Auslieferung der ersten Exemplare beginnen.
"Wir wissen genau, was der A380 kann"
Der A380 wird dann bereits seit drei Jahren im Dienst der Airlines stehen. Für den Boeing-Vertriebschef ist das kein Problem: "Wir haben keinen Zeitnachteil. Vielmehr wissen wir jetzt ganz genau, was der A380 kann. Und damit wissen wir auch, wo wir besser sein müssen", so Carson. Zunächst wird die Maschine allerdings in der Frachtversion ausgeliefert. Bislang liegen Kaufzusagen für insgesamt 18 Transporter von Nippon Cargo Airlines und der europäischen Gesellschaft Cargolux vor. "Wir sind zuversichtlich, dass demnächst erste Bestellungen für die Passagierausführung eingehen", erklärt Carson.
Äußerlich wird die neue 747 ihrem Vorgänger recht ähnlich sehen. Der berühmte Buckel etwa wird auch in Zukunft die Silhouette des Jumbos prägen. Carson beharrt dennoch darauf, dass es sich im Kern um eine völlig neue Maschine handelt: "Auch für die 747-8 gilt: Sie muss besser als ihre Vorgängerin sein. Eine wenig Gesichtskosmetik reicht den Märkten nicht."
Boeing bedient sich bei der Entwicklung fleißig bei der 787. Die Maschine wird zum Großteil aus Verbundstoffen gefertigt und gilt als äußerst sparsam. "Die 747-8 nutzt viele neue Technologien der 787. Sie wird bei den Betriebskosten um 20 Prozent pro Flug unter denen des A380 liegen", erklärt Carson.
Dabei ist der Flugzeug-Verkäufer fest davon überzeugt, dass die Airlines in Kauflaune bleiben. "Die Märkte bleiben stabil, vor allem in Nahen Osten, China und Indien", so Carson. Auch in Europa sei die Nachfrage überraschend groß. Und selbst die zuletzt angeschlagenen US-Airlines kommen seiner Meinung nach wieder zurück.