Auf den Geist - DER SPIEGEL
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Unternehmer Auf den Geist

Keine Talkshow ohne Erich Lejeune: Ein Chip-Händler will Deutschlands Wirtschaft retten.
• aus DER SPIEGEL 18/1996
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

An diesem Abend hat Alida Gundlach keine Chance. Ein kleiner drahtiger Mann, der vor missionarischem Eifer geradezu zu platzen scheint, läßt die quasselige Moderatorin der NDR-Talkshow kaum zu Wort kommen.

»Wie geht ihr denn mit eurem Erfolg um?« fragt er die Wildecker Herzbuben, die mit einfältiger Volksmusik Millionen machen. Die Antwort gibt er gleich vor: Die Deutschen seien ein neidisches Volk. Das herzige Duo nickt.

Johannes Gross, selbst ein begnadeter Vielredner, hat in seiner ZDF-Sendung »Tacheles« ebenfalls Mühe, den Dynamiker zu bremsen. »Dürfte ich ganz kurz noch was sagen . . .« »Eigentlich nicht, Herr Lejeune.« Erich J. Lejeune möchte am liebsten allein reden, immer und überall.

»Erfolg ist doch was Wunderbares«, sagt der Unternehmer, und er sagt es so oder ähnlich auf allen Kanälen. Wann immer deutsche Fernsehsender einen dynamischen Unternehmer suchen, sie stoßen fast unweigerlich auf »Mr. Chip« (so der Titel seines ersten, aber lange nicht letzten Buches).

»Schon 1986 gelang mir der endgültige Durchbruch in den Medien«, verrät er in diesem Erstlingswerk, das viele Kritiker eher peinlich berührte. Voller Stolz auf seinen eigenen Erfolg schildert Lejeune, wie er es schaffte, sich aus kleinen, zerrütteten Verhältnissen zu einem der »wichtigsten Elektroniklieferanten für die europäische Industrie« (Lejeune in seinem Zweitwerk »Mut zur Karriere") hochzuarbeiten.

Seine Münchner Firma Consumer Electronic GmbH (CE) setzt mit 40 Mitarbeitern 60 Millionen um, sie zählt zu den Großen des Chip-Handels: Wann immer die unentbehrlichen, aber gelegentlich raren Bauelemente des Elektronikzeitalters knapp werden, wenden sich die Firmen an Lejeune, und Mr. Chip besorgt die Teilchen dann irgendwo auf der Welt.

Der gelernte Kaufmann hat es geschafft, und er hat auf dem Weg nach oben einiges gelernt, über das Leben, über den Erfolg und über die Wirtschaft sowieso. Bereits in den achtziger Jahren war er fest entschlossen, diese Erkenntnisse »auf allen mir erreichbaren Wegen ins Bewußtsein der Öffentlichkeit hineinzutragen, ja hineinzuhämmern«.

Und das macht er konsequent. Weil nicht jeder seine »trivialen Lebens- und Verhaltensregeln« (Blick durch die Wirtschaft) gleichenden Bücher liest, schaltet der Münchner High-Tech-Unternehmer derzeit für 300 000 Mark sogar ganzseitige Anzeigen in der Tagespresse.

Dort verbreitet Lejeune das, was nach eigenem Bekunden »eigentlich längst der Bundeskanzler verbreiten müßte« - Aufbruchstimmung. »Mir geht Deutschlands Volkskrankheit, den Kopf in den Sand zu stecken, wahnsinnig auf den Geist«, sagt der Aufklärer, während er sich kerzengerade vor seinem Konferenztisch aufsetzt.

Seine Botschaft ist klar - so klar, daß sie in jedes Talk-Format paßt: Deutschland braucht Ideen, neue Arbeitsplätze, »Menschen, die Hoffnung machen« - eben Leute wie Lejeune.

Und wie soll die Wende erreicht werden? Innovativ müßten die Deutschen werden, global müßten sie denken und fleißiger werden natürlich auch. Deshalb heißt sein Tip: »Arbeiten, arbeiten, arbeiten«.

Mut möchte er so schaffen und stößt doch allenthalben auf Ignoranz. Neulich, verrät er in der Talkrunde »Tacheles« dem IG-Medien-Vorsitzenden Detlef Hensche, habe er mit Gewerkschaftsfunktionären gesprochen. Die hätten »noch nicht verstanden, daß das Internet brummt«.

Ein Fall für Lejeune: »Ihr müßt in Bonn enger zusammenrücken«, gibt er bei »Tacheles« den versammelten Politikern und dem Gewerkschafter mit auf den Weg. In der Münchner Abendzeitung rief er zum »Abschied vom Negativen« auf und forderte in der Süddeutschen Zeitung mit »Lieber Herr Bundeskanzler« und einem distanzierten »Sehr geehrter Herr Lafontaine« die beiden Herren auf, doch endlich die »Nimm-was-du-kriegen-kannst-Gesellschaft« abzubauen.

Kleine Rückschläge auf dem Weg zum Retter der deutschen Wirtschaft ("Dieses Land braucht Visionäre wie meine Wenigkeit") steckt Lejeune mühelos weg. Eine eigene Akademie für Innovation und, natürlich, Querdenken sollte in der niederbayerischen Provinz entstehen und kam doch nicht voran. Statt dessen gründete er mit anderen Größen des Standorts »IQ 2000 +« - ein Forum für Querdenker, von dem freilich wenig zu hören ist. »Querdenken«, sagt der Meister, »ist nicht ganz einfach.«

Nur das Fernsehen, das hat auf den Mann mit der schlichten Botschaft gewartet. »Für Fernsehzeit habe ich noch nie etwas gezahlt«, verrät Lejeune nicht ohne Stolz und setzt mit erhobenem Kinn hinzu: »Meine Botschaft muß so gut sein, daß ich auch so in die Sendungen komme.«

Demnächst darf der Unternehmer auf Antenne Bayern sogar eine eigene Radiosendung ko-moderieren. Da gibt es dann gar niemanden mehr, der Lejeunes Redefluß stoppen kann. Y

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