GELDANLAGE Auf Eis
Der Klein- und Mittelindustrie, so erkannte Gerhard Breunig, fehle es an gewinnbringenden Innovationen. Und da kann nur einer helfen - Professor Breunig.
So gründete er in Darmstadt die Kapitalsammelfirma Innovest GmbH. Mit dem Slogan »Gewinn aus technischem Fortschritt« empfahl sich Innovest als »neue Dimension für Kapitalanlagen«. Versprochene Rendite: »mindestens 20 Prozent«.
Breunig ließ einen gemeinnützigen Verein, das von ihm gegründete ifw Institut für Wirtschaftsförderung, für seine Firma werben. Weil das alles Professoren waren, entstand der Eindruck, das ifw Institut gehöre zur Technischen Hochschule Darmstadt.
Innovest sei volkswirtschaftlich wertvoll, attestierte Professor Helmut Böhme, Präsident der TH: »Diese Gesellschaft hebt sich wohltuend von so manchen unsoliden Abschreibungsfirmen ab.«
Auch andere Professoren äußerten sich wohlwollend. Offenbar hielten sie Breunig für einen der Ihren: Er führt gleich zwei Professorentitel, denen man die exotische Herkunft (Guatemala und Ecuador) nicht ansieht.
So mobilisierte Innovest einige Dutzend Vielverdiener: Mediziner, Ingenieure, Steuerberater. Als Mindesteinlage nahm Breunig 20 000 Mark entgegen, manche waren mit 150 000 Mark dabei.
Mehr als 8,5 Millionen Mark, meldete Professor Breunig schließlich, habe er für den Mittelstand beisammen. Obendrein habe er einen Kredit über 30 Millionen Schweizer Franken beschafft.
Das war bereits vor drei Jahren. Doch von dem technischen Fortschritt, den er mit dem vielen Geld tüchtig voranbringen wollte, ist bislang nichts zu spüren. Das wird wohl auch nichts mehr: Inzwischen ist das Geld versickert.
Heinz Gerlach vom Branchendienst »kapital-markt intern« schlug jetzt Alarm. »Insolvenz-Professor Breunig«, so warnte er, »ist wieder auf Geldsuche. Äußerste Vorsicht!«
In der Tat hat der Vielseitige die Pleite schon aus nächster Nähe erlebt. Mit drei Firmen hatte sich Breunig in den siebziger Jahren im Berlin-Abschreibungsgeschäft versucht - ohne Erfolg für seine Geldgeber.
Seine Mawi Markt- und Wirtschaftsförderungs GmbH & Co. KG ("Geplante Erfolge") betrieb eine Firmen-Datenbank, aus der Wirtschaftsauskünfte in Listenform ("Listbilder") per Knopfdruck vom Computer abgerufen werden konnten. Dies sei, rühmte damals Mawi-»Fachbeirat« Professor Gerhard Kade, »ein konkurrenzloses Produkt«.
Angelockt von steuermindernden Verlustzuweisungen, fanden sich mehr als 150 computergläubige Kommanditisten ein. Doch die Mawi-Auskünfte waren kaum gefragt.
Auch die Commercial Inform Gesellschaft für allgemeine Wirtschaftsinformationen mbH & Co. KG, eine weitere Breunig-Gründung, kam nicht so recht ins Geschäft: Breunigs Firmen gingen pleite.
Die »sogenannte Mawi-Gruppe«, fand der Konkursrichter, hätte praktisch nur noch vom Geld der Frankfurter Selmi-Bank gelebt, die später ebenfalls zusammenbrach. Schulden von 14,5 Millionen Mark verunzierten die Bücher, als Selmi die Kredite kündigte, Konkurs wurde mangels einer die Kosten des Verfahrens deckenden Masse erst gar nicht eröffnet.
Doch Breunigs Unternehmergeist blieb ungebrochen. »Statt Verlusten aus Abschreibungen«, so seine neue Parole, »Gewinne aus Innovationen.«
Neuen Ärger hatte der Professor, als die Innovest-Anleger die Geduld verloren und endlich einmal Geld sehen wollten. Denn Innovest war längst pleite, als Breunig auf der Titelseite des Mittelstands-Magazins »Impulse« noch mit gewohntem Bombast verkündete: »Wie Sie 1982 mehr Gewinn machen.«
Da traf es sich, daß der Professor eine hilfreiche Firma an der Hand hatte. Die Plandat Gesellschaft für Unternehmensplanung und Unternehmensanalyse mbH erbot sich, den Anlegern die Innovest-Anteile abzukaufen.
Die Firma war ebenfalls eine Breunig-Gründung, und das merkten die Anleger auch bald: Bis heute haben sie das Geld für ihre Innovest-Einlagen nicht bekommen.
Und das Spiel geht weiter. Jetzt soll die EVT Gesellschaft für Entwicklung und Verwertung von Technologien, Firmensitz Zürich, die Rettung bringen.
Die EVT ist - was sonst - eine Gründung des Professors Gerhard Breunig Familienstiftung Vermögensverwaltung GmbH und der Breunig-Firma Plandat. Sie verkauft »Innovationen, Know-how und Entwicklungen bis in die entlegensten Teile dieser Erde«, so der Prospekt, »mit Gewinn für alle Beteiligten«.
Er verhandele bereits mit dem gewohnten Erfolg, beteuert der unermüdliche Professor, mit Großbanken und Konzernen in aller Welt. Da würde der Staatsanwalt, nach dem einige Anleger, wegen der Innovest-Affäre, bereits rufen, nur störend wirken.
Die Anleger würden in vollem Umfang schadlos gestellt, wenn erst einmal bei der EVT die Gewinne sprudeln. »Innovest ist nicht pleite«, beschwichtigt Breunig, »sondern liegt nur momentan auf Eis.«