Aufschwung: Börsianer überraschen mit Optimismus - DER SPIEGEL
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Aufschwung Börsianer überraschen mit Optimismus

Einmal mehr gibt es Anzeichen für einen möglichen Aufschwung in Deutschland. Der ZEW-Indikator ist wie schon im Dezember überraschend klar gestiegen. Auch das Berliner DIW rechnet mit einer weiteren Belebung der Konjunktur.
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Mannheim/Berlin - Die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen im Januar erneut unerwartet deutlich um 9,4 Punkte. Der Indikator steht nun bei 71 Zählern nach 61,6 Punkten im Dezember 2005, erklärte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) heute in Mannheim. Bereits im Vormonat hatte der Indikator stärker zulegt als erwartet.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte: "Für das Jahr 2006 hellen sich die Perspektiven deutlich auf. Ich interpretiere diese positive Einschätzung der Finanzmarktanalysten als Vertrauensvorschuss für die Wirtschaftspolitik der kommenden Monate." Nun komme es entscheidend darauf an, dass die Wirtschaftspolitik einschließlich der Lohnpolitik diesen Erwartungen gerecht werde.

Erneut positiv ausgefallene Auftragseingänge stärkten die Zuversicht der befragten Finanzmarktanalysten. Laut ZEW zeige dies eine Stabilisierung oder gar eine leicht beschleunigte inländische Investitionstätigkeit und eine starke ausländische Nachfrage nach deutschen Produkten. Daneben machten Sondereffekte durch ein Vorziehen der privaten Käufe für langlebige Konsumgüter einen Konjunkturaufschwung in diesem Jahre wahrscheinlich.

An der Umfrage im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests hatten sich 303 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt.

Volkswirte erwarten Aufschwung

Beobachter zeigten sich angesichts des Ergebnisses erfreut. "Die robusten ZEW-Daten sind ein kristallklarer Beleg für eine stärkere Erholung in Deutschland in diesem Jahr. Die Privatwirtschaft erlebt derzeit definitiv ein Wiedererwachen und sollte die treibende Kraft hinter einem Wirtschaftswachstum von bis zu 1,9 Prozent sein", sagte David Brown, Ökonom beim Bankhaus Bear Stearns. "Dies ist ein klares Zeichen für eine Erholung auf einer breiten Basis", sagte auch Holger Schmieding von der Bank of America.

Vor zuviel Euphorie warnte indes die HypoVereinsbank (HVB). Dort rechnen Beobachter mit einem baldigen Ende des Anstiegs der deutschen Frühindikatoren. "Es sind eindeutig negative Überraschungen beim ZEW- und beim Ifo-Index in der Pipeline", sagte HVB-Volkswirt Andreas Rees in München. "Wir erwarten, dass beide schon bald ihren Gipfel erreichen."

DIW: Konjunkturbelebung setzt sich fort

Zunächst einmal blieb es aber bei einer positiven Nachrichtenlage. So rechnet auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einer Konjunkturbelebung. "Die positive Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion seit Anfang des Jahres 2005 setzt sich fort", heißt es in dem heute in Berlin veröffentlichten DIW-Konjunkturbarometer für Januar.

Für das vierte Quartal 2005 geht das DIW wie schon im Dezember weiter davon aus, dass das arbeitstäglich und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt "um etwa 0,4 Prozent zugenommen haben" dürfte. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2005 erhöhte sich das BIP gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,9 Prozent, wobei das Wachstum vor allem durch den Produktionsanstieg in der Industrie gestützt wurde.

Dies sei auch im vierten Quartal 2005 der Fall gewesen, erklärten die Berliner Konjunkturexperten. Dabei seien die Impulse für die Industrie überwiegend von der Auslandsnachfrage ausgegangen. Allerdings habe die Inlandsnachfrage weiter zugenommen. Das DIW rechnet nach seiner Anfang Januar veröffentlichten Konjunkturprognose für 2006 und 2007 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 beziehungsweise 1,2 Prozent.