Aufsichtsräte Bekommt Schröder den dicksten Scheck?
Hamburg - Im Durchschnitt verdienen Aufsichtsräte bei den im Deutschen Aktienindex vertretenen Konzernen rund 200.000 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin. Zu den Spitzenverdienern gehörte danach unter anderem der Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, Gerhard Cromme, der im vergangenen Geschäftsjahr 334.080 Euro einstrich.
Der drittgrößte deutsche Pharmakonzern Schering wies für 2004 in seiner Bilanz 368.000 Euro für Chefkontrolleur Giuseppe Vita aus. Darin sind allerdings langfristige Elemente, die an die Aktienkursentwicklung geknüpft sind, eingeschlossen. Henkel-AR-Chef Albrecht Woeste kommt der Studie zufolge 2005 auf 360.800 Euro im Jahr und E.ON-Chefkontrolleur Ulrich Hartmann auf 354.390, bei der Deutschen Bank sind es für AR-Chef Rolf-E. Breuer 315.250 Euro.
Der Aufsichtsratsvorsitzende der DaimlerChrysler AG, Hilmar Kopper, erhielt dem Unternehmen zufolge im vergangenen Jahr 245.900 Euro. Bei VW hat Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch für 2004 laut Geschäftsbericht eine feste Vergütung von 22.000 Euro (einschließlich Sitzungsgeld) erhalten sowie auf Basis der Dividende von 1,05 Euro je Stammaktie eine veränderliche Vergütung von 225.000 Euro. Die geringste Entlohnung unter den Dax-Unternehmen gab es 2004 für adidas-Aufsichtsratschef Henri Filho (42.000 Euro).
Insgesamt ist der Verdienst der Chefkontrolleure der Dax-Konzerne - anders als der der Arbeiter und Angestellten - in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen - seit 2002 um 50 Prozent. Die Vergütung der Stellvertreter liegt der Studie 2005 zufolge bei rund 136.000 Euro. Die übrigen Aufsichtsräte bekamen rund 68.000 Euro und damit sieben Prozent mehr als 2004.
Zu beachten ist allerdings, dass es bei den Vergütungen feste und variable Bestandteile gibt. Auch haben Aufsichtsräte mitunter Beraterverträge mit den Unternehmen. Daneben üben sie häufig mehrere Mandate aus. Nach Angaben von Towers Perrin ist einen Trend zu beobachten, die feste Vergütung der Aufsichtsräte zu erhöhen und variable Anteile wie erfolgsabhängige Zahlungen zu verringern. Viele Unternehmen machten die Vergütung weniger von Dividenden abhängig, die der Aufsichtsrat selbst Jahr für Jahr festlegt. Aktionärsschützer fordern dies seit langem. So sagte auch Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): "Aufsichtsräte sollten unabhängig von Erfolgskennziffern vergütet werden."
In internationalen Vergleich nehmen sich die Gehälter indes trotz der beeindruckenden Zahlen eher bescheiden aus. Europas Spitzenverdiener unter den Aufsichtsratsvorsitzenden kassieren der Studie zufolge jährlich bis zu 700.000 Euro. Auch nach diesem Maßstab wäre das Geahlt von Schröder jedoch einsame Spitze.