Auftrag aus Katar Airbus landet Milliardencoup
Le Bourget - Trotz Wirtschaftskrise hat Airbus zum Auftakt der Pariser Luftfahrtmesse einen Milliardenauftrag aus dem Öl-Emirat Katar verbucht. Die halbstaatliche Fluggesellschaft Qatar Airways bestellte am Montag in Le Bourget auf einen Schlag 24 Maschinen aus der A320-Familie.
Die Gesellschaft aus dem Öl-Emirat am Persischen Golf bezifferte den Wert des Auftrags für 20 der A320-Maschinen und vier A321 auf 1,9 Milliarden Dollar (1,36 Milliarden Euro). Zwei Maschinen würden noch vor Jahresende geliefert, zwei weitere Anfang 2010 und der Rest bis 2012. Für die vier A321 hatte Qatar Airways schon Mitte vergangenen Jahres eine Kaufabsicht geäußert. "Wir haben großen Hunger auf Flugzeuge", sagte Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker.
Geschäftsabschlüsse meldeten auch die Hersteller von Regionalflugzeugen Suchoj und ATR, wobei ATR eine stabile Produktion auf Rekordhöhe von 50 Maschinen im Jahr meldete.
Bei dem wichtigste Treffen der Luftfahrtbranche in diesem Jahr machte sich aber kein Flugzeugbauer wirklich Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise. Die Fluggesellschaften erwarten in diesem Jahr einen Verlust von neun Milliarden Dollar. Die Passagierzahlen sollen um acht Prozent zurückgehen, der Frachtverkehr sogar um 17 Prozent.
Louis Gallois, Chef der Airbus-Mutter EADS, sagte, er wisse nicht, ob ein Ende der Krise in Sicht sei. "Für 2010 sehen wir noch nicht klar." In Le Bourget rechne Airbus jedenfalls "nicht mit vergleichbar großen Aufträgen" wie bei der letzten Messe vor zwei Jahren.
Etwas zuversichtlicher gab sich Scott Carson, der Chef der Boeing-Zivilsparte. "Wir haben den Eindruck, dass es Gründe gibt, auf einen Beginn einer Erholung im kommenden Jahr zu hoffen", sagte er. Beim Rückgang des Passagier- und Frachtverkehrs scheine "die Talsohle erreicht". Der US-Konzern hat dieses Jahr wegen der Krise bereits 66 Abbestellungen verbuchen müssen. Bei Airbus sind es immerhin 21.
Überschattet wurde die Pariser Luftfahrtmesse zu ihrem 100. Geburtstag nicht nur von der Wirtschaftskrise, sondern auch durch eine Sicherheitsdebatte wegen des Absturzes eines Airbus A330 über dem Atlantik. Durch die Spekulationen über die mögliche technische Ursachen der Katastrophe mit 228 Toten fühlt sich nicht nur Airbus getroffen, sondern die gesamte Branche. So sprang nun sogar Boeing dem Erzrivalen aus Europa in bei und lobte die A330 als eine "verlässliche und bewährte" Maschine.
Derweil werden sowohl Boeing als auch Airbus weiter durch Verspätungen bei wichtigen Flugzeugprogrammen belastet. Boeing schloss aus, dass zu der Messe doch noch der Erstflug des als besonders spritsparend angepriesenen Langstreckenflugzeugs 787 Dreamliner stattfinden könnte. Carson bekräftigte immerhin, die 787 solle bis Ende des Monats erstmals abheben.
Airbus kämpft unterdessen weiter um eine neue Frist für den Militärtransporter A400M, bei dem Deutschland der größte Abnehmer ist. In Le Bourget war am Montagnachmittag ein Treffen des deutschen Wirtschaftsstaatssekretärs Peter Hintze mit Vertretern Frankreich, Spaniens und Großbritanniens geplant. Die beteiligten NATO-Staaten wollen Ende des Monats entscheiden, unter welchen Bedingungen sie Airbus nochmals einen Aufschub zur Lösung der Motorenprobleme des A400M geben.
Bei der Entwicklung des Langstreckenflugzeugs A350 erhält EADS derweil Unterstützung von Deutschland und Frankreich. beide Länder wollen der Konzerntochter Airbus mit Milliardenkrediten unter die Arme greifen.
Der deutsche Luftfahrt-Beauftragte Peter Hintze erklärte, Deutschland sei bereit, beim A350 "mit bis zu 1,1 Milliarden Euro" zu helfen. Frankreich will 1,4 Milliarden beisteuern. Bussereau bezifferte die Gesamtkosten auf elf Milliarden Euro. Bei 30 Prozent Kredithilfe müssten die vier Airbus-Staaten dann 3,3 Milliarden Euro aufbringen. Eine Entscheidung solle in Kürze bekanntgegeben werden. Bussereau schlug eine Frist von einem Monat vor.
Auch Großbritannien ist grundsätzlich zur Anschubfinanzierung bereit. Eine Entscheidung sei aber am Montag nicht möglich gewesen, weil Spanien an der Tagung der "Airbus-Minister" auf der Pariser Luftfahrtmesse nicht teilgenommen habe, sagte der französische Verkehrs-Staatssekretär Dominique Bussereau. "Wir konnten zu keiner Entscheidung kommen, weil Spanien fehlte." Die Verzögerungen beim neuen Militärtransporter A400M wurden weitgehend ausgeklammert.
Die Staaten sollen gemäß ihrem industriellen Beitrag an der Anschubfinanzierung teilnehmen. Der britische Verteidigungsminister Lord Drayson wollte den britischen Beitrag nicht beziffern. "Wir stehen voll hinter dem Programm", sagte er. "Wir kennen die Bedeutung des Programms für Airbus und wir kennen die Bedeutung von Airbus für die britische Industrie."
Der alle zwei Jahre stattfindende Internationale Luft- und Raumfahrt-Salon in Le Bourget bei Paris gilt als weltweit wichtigste Leistungsschau der Branche. In diesem Jahr feiert die Messe ihr 100-jähriges Bestehen. Sie dauert bis zum kommenden Sonnstag (21. Juni). Zunächst bleiben Aussteller und Kunden unter sich. Erst an den letzten drei Tagen öffnet die Messe der Öffentlichkeit ihre Pforten. Zu sehen sein werden in der Luftfahrt zahlreiche Passagiermaschinen, Kampfflugzeuge und Hubschrauber, darunter der neue russische Regionalflieger Suchoj Superjet 100 oder das weltgrößte Passagierflugzeug, die A380-800 von Airbus.