August-Statistik Schröder sieht Erholung am Arbeitsmarkt
Nürnberg - Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sei erstmals seit April im Schnitt täglich um 1500 gestiegen, sagte Schröder in der ARD unter Berufung auf die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Arbeitsmarktexperten hatten den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze zuvor laut Medienberichten als Grund dafür benannt, dass die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im August auf 4,728 Millionen gesunken sei.
Die "Bild"-Zeitung hatte einen Tag vor der Bekanntgabe der Arbeitslosenzahl unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, es gebe im August 44.000 Arbeitslose weniger als im Juli, aber rund 381.000 mehr als vor einem Jahr. Schröder nannte in der Sendung keine weiteren Details.
Experten rechnen für August mit einem Rückgang im Vergleich zum Vormonat zwischen 20.000 und 50.000. Im Juli waren 4,77 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote betrug 11,5 Prozent. Das Thema Arbeitslosigkeit zählt zu den entscheidenden Streitpunkten im Wahlkampf.
Die leichte Erholung im August ist nach Einschätzung von Volkswirten neben statistischen Gründen auch auf eine allmähliche Stabilisierung des Arbeitsmarktes auf einem niedrigen Niveau zurückzuführen. Die Unternehmen hätten seit Anfang des Jahres deutlich weniger Mitarbeiter entlassen als früher, erklärte Volkswirt Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Gleichzeitig seien jedoch die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit auf dem Vorjahresniveau gehalten worden.
"Das Schlimmste liegt hinter uns"
Volkswirt Andreas Rees von der HypoVereinsbank sieht in der Entwicklung am Arbeitsmarkt sogar Grund zur Hoffnung. "Das Schlimmste liegt sicher hinter uns", erklärte er. Die Geschwindigkeit, mit der Jobs abgebaut worden seien, habe sich in den vergangenen Monaten verlangsamt. Unternehmen seien zudem wieder dazu bereit, sozialversicherungspflichtige Jobs zu besetzen. Durch den strikten Sparkurs der Vergangenheit hätten viele Firmen ihre Verbindlichkeiten abgebaut und könnten nun wieder investieren. Dies werde sich allmählich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken, prognostizierte Rees.
Schröder hatte vor seiner Wahl 1998 angekündigt, er wolle seine Politik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt messen lassen. Seit seinem Amtsantritt erhöhte sich zwar die Zahl der Erwerbstätigen von 37,9 Millionen auf etwa 39 Millionen. Dies ist jedoch vor allem auf die Entstehung von Teilzeit- und Minijobs zurückzuführen. Sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze wurden kaum geschaffen.