»Aus eigener Kraft«
SPIEGEL: Zwischen den deutschen Autoherstellern herrschte lange Zeit stilles Einvernehmen. Jetzt hat Porsche sich bei der EU über Subventionen für die BMW-Tochter Rover beschwert. Ist das eine Kriegserklärung?
Wiedeking: Keineswegs. Wir fordern in Brüssel nur konkret ein, was viele Unternehmensführer in ihren Sonntagsreden seit Jahren betonen: Subventionen für eine entwickelte Branche wie die Autoindustrie sind überflüssig. Der Staat könnte die entsprechenden Summen besser für Steuersenkungen nutzen, die wir in der Wirtschaft seit langem fordern. Wer diese Diskussion treibt, führt keinen Krieg. Wir sollten uns vor Übertreibungen und falscher Wortwahl hüten.
SPIEGEL: BMW bezeichnet Sie als »Pharisäer«, weil Porsche auch von Subventionen profitiert. Beispielsweise kassierte die finnische Firma Valmet, bei der Sie den Boxster bauen lassen, 1997 über elf Millionen Mark Subventionen für den Aufbau der Porsche-Montage.
Wiedeking: Die relativ kleine Firma Porsche kann ja nicht die Welt verändern und nur noch mit Firmen zusammenarbeiten, die keinerlei Subventionen bekommen. Wir können nur für uns selbst entscheiden, und für uns heißt es: keine Subventionen. Stütze vom Staat und Luxus passen nicht zusammen. Selbst als es Anfang der neunziger Jahre um die Existenz der Firma Porsche ging, haben wir keine Staatshilfen gefordert, sondern uns aus eigener Kraft aus der Misere befreit.
SPIEGEL: Was sagen Ihre Aktionäre dazu, dass Sie Staatsgelder ablehnen?
Wiedeking: Sie bestätigen unsere Vorgehensweise, weil sie dazu führt, dass Porsche sozial akzeptiert ist. Zudem wird ein Unternehmen, das keine Staatshilfe braucht, offensichtlich auch an der Börse besser bewertet: Unsere Aktie ist von allen deutschen Autoaktien im vorigen Jahr am stärksten gestiegen.
SPIEGEL: Den Volkswagen-Konzern, der hohe Subventionen für sein Werk in Mosel bekommen hat, verschonen Sie mit Kritik. Liegt das daran, dass VW-Chef Ferdinand Piëch einer der Hauptaktionäre von Porsche ist?
Wiedeking: Wir verschonen nieman-den, sondern sagen, es sollen generell keine Subventionen in eine reife Industrie fließen. Diese Position richtet sich nicht gegen Wettbewerber, sondern ist das gesellschaftspolitische Gebot bei leeren Staatskassen.
SPIEGEL: Wollen Sie mit Ihrer Kritik an Subventionen für BMW den Münchner Konzern im Interesse eines Ihrer Haupteigentümer, des VW-Vorsitzenden, sturmreif schießen?
Wiedeking: Das ist doch Quatsch. BMW ist eine Perle der deutschen Industrie. Die Probleme, die das Unternehmen zurzeit hat, wird es lösen. Und ich bin sicher, dies gelingt den Kollegen auch ohne Subventionen.