Ausbildungsinitiative 11.000 Plätze in Reserve
Berlin - Zum Glück gibt es Unternehmerinnen wie Despina Kazantzidou. Die 36-jährige Griechin dient Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn als Beleg dafür, dass es sich für die Sache der Auszubildenden zu kämpfen lohnt. Obwohl sie in ihrem Software-Betrieb nur sechs Mitarbeitern beschäftigt, stellte Kazantzidou gleich drei Lehrlinge ein - der Erste beendete seine Ausbildung vor wenigen Tagen als Landesbester in Niedersachsen.
Aber nicht allein dieser Spitzenplatz zeichnet das Braunschweiger Unternehmen aus. Die Tatsache, dass Kazantzidou überhaupt Ausbildungsplätze bereitstellt, stempelt sie zur absoluten Ausnahme. Insgesamt bilden lediglich sechs Prozent der mehr als 280.000 Betriebe, die von Unternehmen mit ausländischem Pass geführt werden, Lehrlinge aus.
In den Augen der Bundesbildungsministerin ist das eine gewaltige Verschwendung von Ressourcen. "Wir könnten ohne Probleme und in kurzer Zeit rund 11.000 Ausbildungsplätze zusätzlich anbieten, wenn alle Unternehmen ihre Berechtigung zur Ausbildung auch nutzten", sagte Bulmahn auf einer vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung organisierten Medientagung in Berlin. Das Potenzial werde in den nächsten Jahren eher noch größer, denn die Zahl der ausländischen Selbständigen wachse seit Jahren schneller als die der deutschen. Insgesamt seien in diesen Unternehmen bereits mehr als eine Million Menschen beschäftigt.
Der wesentliche Grund für die Zurückhaltung sei der Mangel an Informationen. Zu viele Unternehmer wüssten zu wenig von dem in Deutschland einzigartigen Dualen Ausbildungssystem. Außerdem schätzten sie die bürokratischen Hürden zur Erlangung der Ausbildungsberechtigung häufig als zu hoch ein.
Zwar verfügen die örtlichen und regionalen Handelskammern und Unternehmensverbände über genügend Informationen; bei den betreffenden Unternehmern kommen sie aber viel zu selten an - oder sie schrecken die Interessenten durch die komplizierte Darstellung ab.
Etwas mehr Erfolg verspricht die Arbeit einer Vielzahl bundesweiter oder regionaler Initiativen wie etwa die Kölner "Koordinierungsstelle Ausbildung in Ausländischen Unternehmen" (Kausa) oder "Pro Qualifizierung". Deren Mitarbeiter sprechen gezielt Unternehmen an und bieten sogar begleitende Beratung während der Ausbildung. Auch die Arbeitsgemeinschaften ausländischer Unternehmer etwa in Hamburg, Berlin und Köln leisten viel Aufklärungsarbeit.
Um der Bewegung noch mehr Schwung zu verleihen, setzt Bulmahn auf die fremdsprachigen Medien. Auf der Berliner Medientagung sprach sie gezielt Verleger, Redakteure und Autoren der in Deutschland erscheinenden griechischen, italienischen, russischen, kroatischen und türkischen Medien an. "Denn sie erreichen täglich die rund acht Millionen in Deutschland lebenden Ausländer und die rund fünf Millionen Bürgerinnen und Bürger ausländischer Herkunft. Mit Ihrer Hilfe lassen sich diese Bevölkerungsgruppen informieren", so Bulmahn. "Damit und mit Ansätzen wie Kausa und Pro Qualifizierung gehen wir gute Wege, die Ausbildungshemmung zu überwinden".