Ausbildungskrise: Koalition will Lehrlingsgehälter einfrieren - DER SPIEGEL
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Ausbildungskrise Koalition will Lehrlingsgehälter einfrieren

Wirtschaftsminister Michael Glos und Vertreter der Arbeitgeber wollen den Lehrstellenmangel mit einem Einfrieren der Gehälter bekämpfen. Der DGB warf beiden Seiten Realitätsverlust vor.
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Berlin - Beim Spitzentreffen zum Ausbildungspakt hob Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Tarifvereinbarungen in der Stahl- und Chemieindustrie sowie bei der Post hervor. Das Einfrieren von Lehrlingsgehältern könne aus der Ausbildungskrise helfen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt schloss sich der Forderung an. "Wir sagen nicht, die Vergütungen müssen pauschal runter. Wir möchten vielmehr Öffnungsklauseln, dass weniger bezahlt werden kann, wenn zum Beispiel ein Betrieb erheblich über den eigenen Bedarf ausbildet."

Die Regierung und Unternehmen wollen den eigentlich 2007 auslaufenden Ausbildungspakt verlängern. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) betonte, das Abkommen sei "sehr erfolgreich und wird es auch in Zukunft bleiben". Trotz der höheren Bewerberzahlen werde es im Herbst ein "zufrieden stellendes Ergebnis" geben. Glos sagte, der Pakt habe sich "kolossal bewährt".

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf den Akteuren Realitätsverlust vor. "Zu den üblichen Ablenkungsmanövern vom Versagen des Ausbildungspakts gehört auch die Kritik von Glos an den angeblich zu hohen Ausbildungsvergütungen. Die Vergütung muss möglichst hoch sein, damit die Ausbildung im dualen System attraktiv bleibt", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Die von ihr geforderte Abgabe für Unternehmen, die zu wenig ausbilden, lehnt die Bundesregierung ab.

Auch Grünen-Chef Reinhard Bütikofer attackierte den Wirtschaftsminister. "Glos arbeitet tapfer an der Verewigung seines Rufes als Problembär der großen Koalition. Statt endlich gegen die Lehrstellenkrise aktiv zu werden, zieht er den Winterschlaf vor." Die FDP lehnte ein Einfrieren der Lehrlingsgehälter ab. Dadurch entstehe kein einziger Ausbildungsplatz. Bund und Länder sollten lieber eine Qualitätsoffensive an den Hauptschulen starten.

Der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge gibt es derzeit rund 120.000 unbesetzte Lehrstellen. Freie Plätze seien in fast allen Branchen gemeldet. Eine Ausnahme seien die Dienstleister, die unterdurchschnittlich ausbildeten, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt. Zu Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober wird die Lücke auf 30.000 bis 50.000 Plätze geschätzt. Jugendliche ohne Platz sollen dann ein Berufspraktikum absolvieren.

agö/AFP/dpa