Ausbildungsnot IG BCE fordert Azubi-Bonus für Betriebe
Düsseldorf - "Ich schlage vor, Betriebe, die ihre Ausbildungsverpflichtung erfüllen, durch Steuererleichterungen und Zuschüsse zu belohnen", sagte Schmoldt der "Rheinischen Post". "Solche Belohnungen sind gewiss wirksamer als kontraproduktive Strafaktionen", sagte er mit Blick auf eine Ausbildungsplatzabgabe.
Die Abgabe löse das Problem nicht, sagte der IG BCE-Chef. Sie schaffe keine betrieblichen Ausbildungsplätze. "Ich fürchte, dass sie im Gegenteil dazu führt, dass sich Betriebe aus ihrer moralischen Verpflichtung freikaufen und weniger Lehrstellen bieten", sagte Schmoldt weiter.
Gleichzeitig warf der Gewerkschafter den Unternehmen mangelnde Ausbildungsbereitschaft vor. "Die Wirtschaft hat die Versprechen, die sie im Ausbildungspakt gemacht hat, nicht gehalten", sagte Schmoldt. "Es sollte ein Alarmsignal für sie sein, dass sie der Bundespräsident in seiner Neujahrs-Rede ermahnen muss, Wort zu halten. Hier steht die Glaubwürdigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Spiel." Die Chemie-Arbeitgeber nahm Schmoldt von seinem Vorwurf ausdrücklich aus.
In Deutschland gibt es weiterhin deutlich mehr ausbildungssuchende Jugendliche als freie Lehrstellen. Wie die Bundesagentur für Arbeit gestern mitteilte, verringerte sich die rechnerische Lehrstellenlücke zwar zum Jahresende und liegt nun bei 12.900. Zu Beginn des Ausbildungsjahres Ende September betrug die Differenz von angebotenen Stellen und Bewerbern noch 28.300. Im Vergleich zum Dezember 2004 vergrößerte sich die Kluft allerdings um mehr als 2000.