Ausländische Top-Manager: Globalisierung in der Vorstandsetage - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ausländische Top-Manager Globalisierung in der Vorstandsetage

Pepsi, Alcoa, jetzt auch die Citigroup: Die Vorstände in US-Konzernen werden immer internationaler. Von 100 Top-Firmen haben schon 15 einen Boss, der aus dem Ausland stammt - vor zehn Jahren waren es nur neun. "Wer seine Heimat verlässt", sagt einer, "hat den Instinkt eines Unternehmers."
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Vikram Pandit wurde vor 50 Jahren in Nagpur, Indien, geboren. 20 Jahre lang arbeitete er für Morgan Stanley, dann gründete er einen eigenen Hedgefonds. Seit gestern ist er der Chef der größten Bank der Welt - die Citigroup   ernannte ihn zum Nachfolger für Charles Prince.

Pandit steht für einen Trend: Immer mehr US-Konzerne werden von Managern geführt, die aus dem Ausland stammen. Der gebürtige Ägypter Louis Camilleri leitet Altria  , die indischstämmige Indra Nooyi ist die Chefin von Pepsi, und der Marokkaner Alain Belda steht Alcoa   vor. Unter den 100 größten Firmen der USA gibt es schon 15 mit einem ausländischen Boss. Zum Vergleich: 1996 waren es nur neun.

Damals kamen fast alle nicht-amerikanischen Vorstände aus Kanada oder Europa. Mittlerweile rekrutieren die Firmen ihre CEOs in der ganzen Welt. Allerdings: Die Mehrheit kommt immer noch aus klassischen englischsprachigen Ländern wie Irland oder Großbritannien. Bestes Beispiel ist Medienmogul Rupert Murdoch, ein gebürtiger Australier.

Das Interesse an ausländischen Vorständen hat einen einfachen Grund: In Zeiten der Globalisierung müssen sich die Firmen international aufstellen - Erfahrungen aus anderen Teilen der Welt sind da nützlich. Im nächsten Jahr, erwarten Experten, könnten die Unternehmen aus dem Aktienindex Standard & Poor's 500 schon die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland erwirtschaften.

"Ich bin offener, wenn es um Geschäfte in Asien geht"

"Obwohl die Unternehmen ihren Sitz in den Vereinigten Staaten haben, sehen sie sich immer weniger als amerikanische Unternehmen", sagt Michael Usee, Management-Professor an der University of Pennsylvania, in der "New York Times". In vielen Business-Schulen seien die Klassen schon zu 40 Prozent mit ausländischen Studenten gefüllt.

Entsprechend selbstbewusst gehen die Manager mit ihrer Herkunft um. Vorbei sind die Zeiten, in denen Einwanderer versuchten, möglichst amerikanisch aufzutreten. "Man ist einfach nicht so schüchtern, wenn man es gewohnt ist, Geschäfte mit Leuten zu machen, die anders sind", sagt Marijn Dekkers, der aus Holland stammende Chef von Thermo Fisher Scientific, einem Unternehmen mit Sitz in Massachusetts. "Obwohl ich nur aus Europa komme, bin ich offener, wenn es darum geht, Geschäfte in Asien zu machen."

Personalberater schätzen genau diesen Vorteil. Weltoffen statt heimatverbunden - das ist die neue Devise. Auch bei Headhuntern wie Korn Ferry International heißt es, dass Manager aus dem Ausland schwer gefragt sind. Im Gegenzug verbringen viele Amerikaner einen Teil ihrer Karriere im Ausland - um die gewünschten Erfahrungen zu sammeln.

"Ausländer sind von Natur aus Unternehmer", sagt Farooq Kathwari, der Chef von Ethan Allen Interiors, laut "New York Times". "Wer seine Heimat verlässt und in ein fremdes Land kommt, hat den Instinkt eines Unternehmers."

In Deutschland ist diese Erkenntnis offenbar noch nicht angekommen: Von den 30 Dax-Konzernen gibt es keinen einzigen, der von einem nicht-deutschsprachigen Manager geführt wird. Die einzigen Ausländer unter den Top-Bossen sind Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (Schweiz), Siemens-Chef Peter Löscher (Österreich) und Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber (ebenfalls Österreich).

wal

Verwandte Artikel