Ausverkauf an den Börsen: Runter, tiefer, raus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ausverkauf an den Börsen Runter, tiefer, raus

Aktionären blüht eine weitere nervenaufreibende Woche: Der Dax verliert gleich zum Auftakt fast 150 Punkte und fällt unter die 6500er-Marke - es ist der bisher schlechteste Handelsstart dieses Jahres. Auch in Asien ging der Ausverkauf weiter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main/Tokio - Mit massiven Verkäufen haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt auf den Kursrutsch in Asien reagiert. Der Dax   brach zu Handelsbeginn um zwei Prozent oder 130 Punkte auf 6472 Zähler ein. Gegen Ende der ersten Handelsstunde erholte sich der Leitindex leicht auf 6484 Zähler, ein Minus von 1,8 Prozent. Keiner der 30 Standardwerte verbuchte Kursgewinne.

"Der Dax hat bei 7000 Punkten seinen Geist aufgegeben und befindet sich jetzt in der Korrektur, die jeder haben wollte und die jetzt keiner will", sagte Marktanalyst Mirko Pillep von der Helaba.

Größter Verlierer im Dax waren mit einem Minus von 3,7 Prozent die Papiere des Nutzfahrzeugherstellers MAN  . Dahinter reihten sich die Titel der Lufthansa   mit einem Abschlag von 3,5 Prozent ein. Auch bei den Werten aus der zweiten Börsenreihe machten die Anleger Kasse. "Wenn die Märkte runter gehen, geben auch die Fonds ab. Deswegen ist das Abschlachten bei den Nebenwerten auch so groß", sagte eine Händlerin.

"Heute wird es wehtun"

Der MDax   rutschte um 2,5 Prozent auf 9290 Punkte, der Technologieindex TecDax   sogar brach um 3,5 Prozent auf 767 Zähler ein. Die in keinem Index enthaltenen Aktien des Sportwagenbauers Porsche   verloren nach der Bekanntgabe von Halbjahreszahlen und der Bekräftigung seiner Jahresziele 2,6 Prozent.

Zum Kursrutsch passt eine aktuelle Umfrage: Institutionelle und private Anleger in der Euro-Zone blicken im März erstmals seit Sommer weniger zuversichtlich auf die Konjunktur als im Vormonat. Der Sentix-Index fiel auf 27,5 von 31,1 Punkten im Februar, wie die Investmentberatung Sentix mitteilte. "Der aktuelle Rücksetzer im Monat März kommt überraschend", teilte Sentix mit. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hatte im Februar nachgegeben.

Aus den Zahlen lässt sich Sentix zufolge keine generelle Trendwende für die Konjunktur ableiten. Zu dem Rückgang hätten auch die jüngsten Kursturbulenzen an den globalen Aktienmärkten beigetragen. Die rund 2500 befragten Investoren bewerteten die künftige Entwicklung der Konjunktur schlechter als im Februar: Der entsprechende Teilindex sank auf 8,50 von 12,75 Zählern. Das ist Sentix zufolge der erste Rückgang seit vier Anstiegen in Folge. Dabei waren die Finanzmarktprofis pessimistischer als die privaten Investoren. Auch die Lage schätzten die Befragten schlechter als im Vormonat ein. Der Teilindex gab auf 48,25 von 51,0 Punkten nach.

Für die Verunsicherung der Investoren machten Börsianer auch die massiven Kursverluste an den asiatischen Börsen verantwortlich. So hatte der Nikkei  -Index in Tokio am Montag 3,34 Prozent im Minus geschlossen und damit den größten prozentualen Tagesverlust seit neun Monaten verbucht. "Heute wird es wehtun", hatte Shinji Igarashi von Chuo Securities die Entwicklung in Asien vorhergesagt. "Es gibt wirklich überhaupt keine Gründe zu kaufen."

Ähnlich sah es an den anderen Börsenplätzen Asiens aus: In Südkorea ging es 2,1 Prozent bergab und in Hongkong 3,1 Prozent. Taiwan verlor 3,9 und Singapur gar 4,1 Prozent. In Shanghai gab der SSE Composite 1,3 Prozent nach.

Der dortige Kurssturz am Dienstag hatte für Verunsicherung bei den Anlegern weltweit gesorgt und zu den größten Verlusten seit 2001 geführt. US-Notenbankchef Ben Bernanke und der Internationale Währungsfonds hatten die panikartigen Verkäufe jedoch als unbegründet bezeichnet und von einer nicht grundlegenden Änderung des Markttrends gesprochen.

Der Dow Jones   -Index hatte am Freitag ein weiteres Prozent verloren, die Nasdaq   1,5 Prozent. Im Wochenverlauf büßte der Dow 4,2 und die Nasdaq 5,85 Prozent ein. Das war die schwärzeste Woche in den USA seit rund vier Jahren.

Der Yen kletterte am Montag zum Euro und zum Dollar auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Der stärkere Yen belastet die Gewinne japanischer Exporteure, wenn sie ihre im Dollar-Raum erwirtschafteten Erlöse zurück transferieren. So fielen am Montag etwa die Aktien von Canon   um 2,2 Prozent. Der Kamera-Hersteller erwirtschaftet rund 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Sony gab 2,4 Prozent nach, Toyota   2,9 Prozent.

Für die Verluste in Asien wurden erneut auch Carry Trades verantwortlich gemacht. Dabei leihen sich Anleger Geld in niedrig verzinsten Währungen wie dem Yen und legen die Mittel in Hochzinswährungen wie Euro oder Dollar an. "Hedgefonds-Manager und Spekulanten, die Aktien mit Geld aus Carry Trades gekauft haben, müssen ihre Aktien jetzt verkaufen, um ihre Währungspositionen zu schließen", sagte Kenichi Hirano von Tachibana Securities.

itz/Reuters