Ausverkauf an der Börse: Das nächste Gewitter droht - DER SPIEGEL
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Ausverkauf an der Börse Das nächste Gewitter droht

Der Dax verringert zwar seine Verluste, bleibt aber deutlich im Minus. MLP, Commerzbank und HVB stehen enorm unter Druck. Der Nemax 50 dürfte bald unter 300 Punkte fallen. In den USA brauen sich neue dunkle Wolken zusammen.
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Frankfurt am Main – Der Kursverfall hält an. Der Dax gab bis zum Mittag um 2,1 Prozent auf 2659 Punkte nach und notierte damit auf dem tiefsten Stand seit Oktober 1996. Trotz des enormen Kursrutsches sehen Experten wenig Chancen auf eine Erholung – es werde erst dann zu einer nachhaltigen Erholung kommen, wenn die Unternehmen ihre Gewinne wieder deutlich steigern. Doch die zahlreichen Gewinnwarnungen vor Beginn der Ertragssaison in den USA stimmen alles andere als optimistisch. In dieser Woche melden unter anderen Yahoo   und General Electric   ihre Zahlen.

Für den Dax gibt es derzeit kein Halten. Sollten die neuen Konjunkturzahlen aus Europa und den USA in dieser Woche enttäuschen, rechnen Charttechniker damit, dass der Index in dieser Woche auch die Marke von 2600 Punkten testet. Lediglich die Allianz   notierte am Mittag als einziger Dax-Wert im Plus. "Das ist ein großer Rundumschlag bei den Finanzwerten heute und in den vergangenen Tagen", sagte der Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba. "Insgesamt gibt es auch keine Käufer mehr am Markt. Hier verkaufen die Leute ihre Positionen schon bei der geringsten Aufwärtsbewegung." Der Markt habe seit seinen Höchstständen definitiv einen "Crash auf Raten" gesehen.

Finanztitel enorm unter Druck – MLP verliert zeitweise 20 Prozent

Besonders die gebeutelten Finanztitel sind nach ihren massiven Verlusten zum Wochenschluss im Blickpunkt der Investoren. Der Finanzdienstleister MLP   gab zum Handelsauftakt 20 Prozent nach, konnte dieses Minus bis zum Mittag jedoch auf elf Prozent reduzieren. Die Finanzaufsicht hat ihre Ermittlungen gegen das Unternehmen ausgeweitet. Es bestehe der Verdacht auf Bilanzmanipulation.

Auch die Commerzbank   leidet unter Gerüchten. Sie hat die Gerüchte über finanzielle Probleme zwar mit Entschiedenheit zurück gewiesen, doch die Aktie gehörte mit einem Verlust von sieben Prozent ebenfalls zu den größten Verlierern im Dax. Die US-Investmentbank Merrill Lynch   hatte in einer Email an Standard & Poors die um einen Kommentar zu angeblichen finanziellen Risiken gebeten. Nach Informationen der Financial Times plant die Commerzbank außerdem, hunderte weiterer Stellen abzubauen.

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz  , Henning Schulte-Noelle, stemmt sich ebenfalls gegen den Kursrutsch. Er bekräftigte am Wochenende, dass die Allianz derzeit keine Kapitalerhöhung plant. Nach ihrem tiefen Sturz unter die Marke von 80 Euro am Freitag konnte sich das Papier daraufhin auf 80,50 Euro (plus 1,4 Prozent) erholen. Dagegen gaben HypoVereinsbank   und Deutsche Bank   mit dem schwachen Markt jeweils rund drei Prozent nach.

Neuer Markt fällt weiter, T-Online gegen den Trend

Neuer Markt fällt weiter, T-Online gegen den Trend

Der Neue Markt hat am Montag erneut kräftig verloren. Bis 11.30 Uhr verlor der Nemax 50 2,6 Prozent und notiert nur noch neun Punkte über der Marke von 300 Punkten.

Die Aktien von T-Online   legten gegen den Trend um 0,65 Prozent auf 6,22 Euro zu. Morgan Stanley erwartet, dass sich die führenden Internetanbieter wie Wanadoo und T-Online weiter entwickeln werden.

Im Nemax All Share gaben IBS um 7,22 Prozent auf 0,90 Euro ab. Vorstands-Chef Klaus-Jürgen Schröder übernimmt auch die Aufgaben des Finanzvorstands.

Konjunkturdaten aus Deutschland und USA

Konjunkturdaten in Deutschland und USA

Kurz nach der Wahl sieht die konjunkturelle Situation in Deutschland alles andere als erfreulich aus. In Deutschland werden heute die Auftragseingänge der Industrie und am Dienstag die Arbeitsmarktdaten für September bekannt gegeben. Experten rechnen mit rückläufigen Auftragseingängen, nachdem auch Finanzinstitute wie die Deutsche Bank bereits von einer "leichten Rezession" zum Jahresende in Deutschland gesprochen haben. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte dagegen saisonbedingt wieder leicht unter vier Millionen Menschen gesunken sein.

Die entscheidenden Impulse werden erneut aus den USA kommen. Allerdings stehen dort neue Konjunkturdaten erst zum Wochenschluss an, und bis dahin regiert die Unsicherheit. Am Freitag werden die vorläufigen Einzelhandelsumsätze und der Index der Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen bekannt gegeben. Bei beiden Kennzahlen wird ein weiterer Rückgang erwartet.

Befreiungsschlag durch die EZB am Donnerstag?

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bislang eher durch ihr stoisches Abwarten denn durch entschlossenes Handeln aufgefallen. Die Rufe nach einer Leitzinssenkung werden immer lauter. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten 36 der 52 befragten Volkswirte inzwischen wieder sinkende Zinsen. Allerdings rechnet nur eine kleine Minderheit damit, dass die EZB bereits an diesem Donnerstag das Leitzinsniveau von derzeit 3,25 Prozent senkt.

Yahoo und Juniper melden Zahlen

Der Start der Berichtssaison in den USA zum dritten Quartal wird auch die deutschen Märkte bestimmen. Am Dienstag meldet PepsiCo seine Ergebnisse, und am Mittwoch wird der Internet-Konzern Yahoo   mit seinen Zahlen für die Technologiebranche die Richtung weisen. Am Donnerstag wird der Netzwerkausrüster Juniper Networks   über die Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal berichten, bevor am Freitag das Schwergewícht General Electric  in den Ring steigt: GE hat eine deutliche Gewinnsteigerung angekündigt. Ob dies auch die Aktionäre zum Umdenken bringt, bleibt offen.

Nikkei auf 19-Jahres-Tief

In Japan ist kein Ende der Börsenkrise in Sicht: Der Leitindex Nikkei 225 fiel am Montag auf ein 19-Jahres-Tief. Mit 8.688,00 Punkten schloss das wichtigste japanische Börsenbarometer 3,8 Prozent oder 339,55 Zähler unter dem Schlussstand vom Freitag. Zuletzt hatte der Nikkei, in dem 225 Firmen zusammengefasst sind, am 16. Juni 1983 auf einem ähnlich tiefen Stand geschlossen.

Der Euro notierte am Montag fester. Gegen Mittag wurde die Gemeinschaftswährung gegen 0,981 US-Dollar gehandelt.