Ausverkauf: Springer pokert um Kirchs TV-Sender - DER SPIEGEL
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Ausverkauf Springer pokert um Kirchs TV-Sender

Springer-Chef Mathias Döpfner macht Druck. Die Verkaufsoption des Verlags für die Anteile an der Kirch-Senderfamilie ProSiebenSat.1 soll offenbar dazu dienen, möglichst billig ins Fernsehgeschäft einzusteigen.
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Hamburg/München - Vordergründig ist die Argumentation ganz einfach. "Die Forderung von 767 Millionen Euro bleibt bestehen", hieß es am Dienstag in Unternehmenskreisen. Nun müsse in Verhandlungen ausgelotet werden, wie sie erfüllt werden könne. Doch offenbar geht es dem Springer-Verlag tatsächlich weniger um den endgültigen Ausstieg als vielmehr um mehr Einfluss. Eine Aufstockung des 11,5-Prozent-Pakets von Springer an ProSiebenSat.1 oder der Einstieg bei KirchMedia - bis zu einer Sperrminorität - wurde am Dienstag nicht mehr ausgeschlossen.

Wolfgang van Betteray hatte zwar darauf hingewiesen, dass die Springer-Option nach seiner Einschätzung weitgehend wertlos ist. Doch auf Springer-Seite scheint man sich sicher zu sein, dass dem Kirch-Sanierer gar nichts anderes übrig bleibt, als zu verhandeln. Denn andernfalls würde die KirchMedia ein unkalkulierbares, juristisches Risiko vor sich herschieben, heißt es in Verlagskreisen. Keine schlechte Verhandlungsposition für die Springer-Unterhändler also. Entsprechend lässt sich die Marschroute abstecken: Fernsehen ja - aber so billig wie möglich. "Wir sind nicht bereit, um jeden Preis einzusteigen", so einer der Beteiligten.

Sollten sich Döpfner und seine Kollegen durchsetzen, würde Springer nach Jahren wieder in den TV-Sendebetrieb einsteigen. "Im TV-Geschäft haben wir leider, leider den Zug vor vielen Jahren verpasst", hatte Döpfner zu seinem Amtsbeginn im Januar bilanziert. So war das Engagement beim weiteren Kirch-Sender DSF 1994 beendet oder das Magazin "Newsmaker" auf Sat.1 wieder eingestellt worden. Geblieben sind Beteiligungen an TV-Produktionsfirmen und ein geringer Anteil am Lokalsender Hamburg 1, der ebenfalls mehrheitlich zum Kirch-Imperium gehört.

Für einen erneuten, größeren Einstieg ins Fernsehgeschäft könnte der Verlag im Haus auf Expertenwissen zurückgreifen: In der Person des früheren TV-Produzenten und Ex-Moderatoren der "NDR-Talkshow", Hubertus Meyer-Burckhardt, ist ein TV-Kenner im Vorstand, der derzeit für die Bereiche Elektronische Medien und Buch zuständig ist. Und als Herausgeber der Tageszeitungen "Die Welt" und "Berliner Morgenpost" fungiert mittlerweile der ehemalige Intendant des ZDF, Dieter Stolte.

Für ein wenig Nervosität im Hause Springer dürfte allerdings noch die Frage sorgen, wer das 40-Prozent Aktienpaket übernimmt, das der Medienunternehmer Leo Kirch am Axel Springer Verlag hält. Die HypoVereinsbank hatte angeboten, den Kirch-Anteil für 1,1 Milliarden Euro zu übernehmen. Das Paket ist bei der Deutschen Bank verpfändet. Viel mehr Sorgen bereiten aber die Ambitionen der Essener WAZ-Gruppe, die an dem 40-Prozent-Paket interessiert ist, was ihr wiederum Zugang zum größten europäischen Zeitungsverlag verschaffen würde. "Niemand will die WAZ-Gruppe", verlautet aus Springer-Kreisen.

Denn eine solche Erfahrung hat der Verlag mit Kirch bereits gemacht. Ausgerechnet am Fernsehgeschäft, das jetzt wieder im Mittelpunkt steht, hatte sich in den achtziger Jahren ein Streit zwischen Verlagsgründer Axel Springer und Kirch entzündet, in dessen Folge Kirch seinen Aktienanteil deutlich aufstockte. Eine Mehrheitsübernahme des Axel Springer Verlags durch einen Investor hat die Witwe des 1985 verstorbenen Verlegers stets ausgeschlossen.