Auto-Markt EU will Händlerbindung kippen
Brüssel - Zudem sollen die Händler über ihr Vertragsgebiet hinaus werben und Niederlassungen eröffnen können. Darüber hinaus sollen die Händler selbst entscheiden, ob sie auch einen Reparaturservice anbieten oder dafür eine Fremdfirma einsetzen. "Die Verordnung soll den Wettbewerb steigern und den europäischen Verbrauchern konkrete Vorteile beim Kauf und bei der Wartung von Kraftfahrzeugen bieten", erklärte die Kommission und betonte: "Die Qualität der Kundendienstleistungen und Reparaturen wird in vollem Umfang erhalten bleiben."
EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte, die Verordnung solle "dem Käufer die Möglichkeit bieten, sein Fahrzeug dort zu kaufen, wo es am preisgünstigsten ist". Deshalb sollen Händler künftig selbst entscheiden, ob sie mehr als nur eine Marke verkaufen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass es viele Verbraucher begrüßen würden, direkt bei einem Händler mehrere Marken vergleichen zu können. Zugleich sollen die Händler künftig aktiver werben und auch im EU-Ausland eine Filiale eröffnen können. Für Reparaturen können die Händler Werkstätten beauftragen, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen müssen.
Die neue Regelung soll die so genannte Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) ablösen, die Ende September ausläuft. Die Kommission will ihren Vorschlag in den kommenden Monaten bei den Betroffenen zur Diskussion stellen. Im Juli will die Behörde die neue Regelung dann beschließen, bevor sie am 1. Oktober in Kraft tritt.
Schröder kritisiert Benachteiligung deutscher Konzerne
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte bei der Eröffnung eines neues Opel-Werkes in Rüsselsheim, er befürchte eine starke Benachteiligung für die deutsche Automobilbranche. Die IG Metall rechnet wegen der neuen Auto-Vertriebsregelung, dass bis zu 100.000 Jobs im deutschen Kfz-Gewerbe wegfallen könnten. Je mehr das bisherige Regelwerk den Schutzcharakter für kleinere Händler verliere, desto mehr bauten die großen Autohersteller ihren Direktvertrieb aus.
"Viele mittelständische Unternehmen werden vernichtet, weil jetzt erst recht die Großen die Kleinen fressen werden." Tausende der rund 47.000 Unternehmen der Branche mit rund 530.000 Beschäftigten in Deutschland könnten vom Markt verschwinden. "Statt sinkender Preise wird es zum Händlersterben und zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen", warnte die Gewerkschaft.
ADAC-Verbraucherschutzexperte Ulrich May betonte indes, für die Autofahrer sei ein schärferer Wettbewerb grundsätzlich gut. Die Neufassung der GVO könnte in Deutschland zu sinkenden Neuwagenpreisen führen, sagte er der "Berliner Zeitung". Nach Einschätzung des Einzelhandels-Sprechers Hubertus Pellengahr könnte der erwartete Wettbewerb dafür sorgen, dass Leistung und Service besser werden und die Preise sinken.