Autobauer in der Krise: Chrysler streicht 5000 Stellen - DER SPIEGEL
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Autobauer in der Krise Chrysler streicht 5000 Stellen

Radikales Sparprogramm beim angeschlagenen Autobauer Chrysler: Wegen der rückläufigen Nachfrage will der Konzern noch mehr Jobs abbauen als bislang geplant. Ein Viertel der Stellen soll wegfallen. Der Chrysler-Konkurrenz geht es nicht besser.
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Michigan - Weltweit stecken Autobauer tief in der Krise. Chrysler streicht deshalb noch im November 5000 Stellen in der Verwaltung, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Insgesamt kürzt Chrysler damit innerhalb von kurzer Zeit seine Belegschaft um ein Viertel. Die Streichungen seien wegen der beispiellosen Marktbedingungen nötig, teilte der US-Konzern mit. Freiwillige Programme würden ab November angeboten, Kündigungen sollten dann im Dezember beginnen. Zudem sollten die Investitionen gekürzt werden. Die größeren Produktprogramme würden jedoch geschützt.

Das Unternehmen bereitet sich demnach auf konjunkturelle Probleme bis ins Jahr 2009 hinein vor. Die Beteiligungsgesellschaft Cerberus ist mit rund 80 Prozent Haupteigentümer von Chrysler. Die restlichen knapp 20 Prozent sind noch in Besitz des Stuttgarter Daimler- Konzerns, der diese aber loswerden will.

Der drittgrößte amerikanische Autohersteller Chrysler hatte erst vor kurzem 1.000 Angestellte entlassen und für gewerkschaftlich organisierte Arbeiter in Michigan Abfindungsangebote vorgelegt. Am Donnerstag hatte die frühere Daimler-Tochter wegen Produktionskürzungen und Werksschließungen den Abbau von 1.825 Arbeitsplätzen in Delaware und Ohio angekündigt.

Chrysler befindet sich nach Informationen aus Branchenkreisen derzeit in Fusionsverhandlungen mit dem ebenfalls angeschlagenen größten amerikanischen Autohersteller General Motors (GM)  . Wie es am Freitag hieß, seien die Gespräche intensiviert worden. Dabei könnte es auch sein, dass die GM-Finanzsparte GMAC involviert ist und zumindest teilweise an Cerberus geht.

GM weist Pleite-Spekulationen zurück

GM wies am Freitag erneut aufgekommene Spekulationen über eine Pleite des Konzerns ausdrücklich zurück. Ein Insolvenzantrag sei für GM keine Option, sagte Konzernsprecher Tom Wilkinson auf Anfrage am Sitz in Detroit. Unterdessen werden in der Politik und in der Branche Forderungen nach rettenden Finanzspritzen des Staates immer lauter. GM verbrannte zuletzt pro Monat rund eine Milliarde Dollar seiner flüssigen Reserven und hat große Probleme bei der Suche nach frischem Kapital.

Wie schlecht es um den Konzern bestellt ist zeigt die Ankündigung, angesichts der prekären Finanzlage bei der Entwicklung neuer Modelle sparen zu wollen. Die Opel-Mutter verschiebe nun sogar den Start von sparsameren Modellen, die für die Sanierung des Konzerns entscheidend seien, berichtete das US- Wirtschaftsmagazin "BusinessWeek" im Internet. So werde etwa der neue Kompaktwagen Chevrolet Cruze nicht vor 2011 und damit um fast ein Jahr verzögert auf den Markt kommen.

Ein GM-Sprecher bestätigte dem Magazin grundsätzlich, dass einige neue Programme etwas aufgeschoben würden. Zu konkreten Modellen und Zeitplänen wollte er sich aber nicht äußern. Der größte US-Hersteller erhofft sich wie seine Wettbewerber von kleineren und spritsparenden Modellen die rettende Wende. Frühere Verkaufsschlager wie schwere Geländewagen und Pickups laufen immer schlechter. Der US-Automarkt ist zudem generell auf steiler Talfahrt. Aber auch Opel bekommt zunehmend Probleme und stoppt die Bänder befristet.

Deutsche Hersteller in Schwierigkeiten

Auch die deutschen Autohersteller haben massive Probleme: Europas größter Hersteller Volkswagen gab bekannt, zunächst auf 750 Zeitarbeiter in Deutschland zu verzichten. Weitere Kürzungen unter den knapp 25.000 Leiharbeitern weltweit würden geprüft - obwohl sich Volkswagen besser schlägt als die Konkurrenz und sogar noch steigende Absatzahlen ausweist.

Der Absturz bei den Verkaufszahlen trifft weltweit nahezu alle Autobauer. Peugeot  -Chef Christian Streife schraubte zum Wochenschluss nach der Vorlage miserabler Quartalszahlen die Jahresziele deutlich zurück. Zudem will der Konzern die Fertigung im Schlussquartal um ein Drittel senken.

Zuvor hatten bereits Daimler, Fiat  sowie Renault  und GM mit düsteren Geschäftsausblicken schockiert. Der Autoriese Toyota wird in Kürze laut japanischem Agenturbericht zum zweiten Mal binnen weniger Wochen seine Absatzprognose für 2009 senken. Im Sog weiter einbrechender Börsenkurse gehörten Autoaktien auch am Freitag zu den größten Verlierern.

"Im Vergleich zu Ende 2007 werden wir 2009 rund 100.000 Jobs weniger in der deutschen Autoindustrie haben", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Gelsenkirchener Marktforschungsinstitut CAR. "In den USA ist es schrecklich, da verblutet die Autoindustrie fast." In Deutschland rechnet er damit, dass die Zahl der festen Jobs bei Herstellern und Zulieferern kommendes Jahr um 20.000 auf 730.000 sinkt, die der Leiharbeiter um 80.000 auf nur noch 20.000.

cvk/Reuters/dpa-AFX

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