Autobauer Opel erreicht wieder die Gewinnzone
Rüsselsheim/Detroit - General Motors GM) hat in Europa mit seiner Hauptmarkte Opel zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal belief sich das Plus im Europageschäft auf 37 Millionen Dollar ohne Restrukturierungskosten, berichtete GM. Im Vorjahresquartal hatte unter dem Strich ein Minus von 45 Millionen Dollar gestanden.
Das seit Jahren defizitäre Europageschäft mache gute Fortschritte auf dem Sanierungsweg, hieß es weiter. Der größte Autobauer der Welt hatte seinen Angestellten in Europa ein umfangreiches Sanierungsprogramm abgetrotzt. Allein in Deutschland fallen 9000 von vormals 32.000 Arbeitsplätzen weg. Neben Opel ist auch die schwedische Tochter Saab betroffen.
Trotz der Sanierungsfortschritte rechnet GM für das Gesamtjahr 2005 weiterhin mit einem operativen Verlust von 500 Millionen Dollar in Europa. "Das Geschäft bleibt schwierig wegen der hohen Rabatte und des harten Verdrängungswettbewerbs", sagte ein GM-Sprecher in Zürich. Auch der Opel-Betriebsrat warnte vor Euphorie. "Man darf das Ergebnis eines Quartals nicht überbewerten. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", sagte der Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz.
Überraschendes Minus schockt die Märkte
Während sich das europäische Geschäft stabilisiert, kämpft der Konzern in den USA weiter mit Verlusten. General Motors hat im zweiten Quartal überraschend rote Zahlen geschrieben und damit die Aktienmärkte belastet.
Einschließlich Sonderposten sei ein Verlust von 286 Millionen Dollar oder 51 Cent je Aktie angefallen nach einem Gewinn von 1,38 Milliarden Dollar im Vorjahr, teilte das Unternehmen mit. Ohne Einmalfaktoren betrage der Verlust 56 Cent je Aktie. Analysten hatten auf dieser Basis einen Gewinn von drei Cent erwartet. Bereits im ersten Quartal hatte GM mit einem Verlust von 1,1 Milliarden Dollar die Märkte geschockt.
Das schlechte Ergebnis in der Kernsparte Automobile habe durch gute Geschäfte der Finanz-Sparte nicht aufgefangen werden können, hieß es weiter. So sei allein im Auto-Geschäft in Nordamerika ein Verlust von 1,19 Milliarden Dollar aufgelaufen. Wie der Rivale Ford hat auch GM kräftige Absatzeinbußen bei seinen rentabelsten Modellen, den Geländewagen (SUVs) der Mittel- und Oberklasse, hinnehmen müssen. Ford hatte bereits am Dienstag einen Gewinnrückgang von 19 Prozent bekannt gegeben, die Erwartungen des Marktes aber übertroffen.
Licht und Schatten in der Bilanz
Vorstandschef Rick Wagoner sagte, die Quartalsbilanz weise Licht und Schatten auf. In vier Konzernbereichen seien Gewinne erzielt worden. "In allen Regionen sind die Umsätze gestiegen und unser Weltmarktanteil hat sich mit den neuen Autos und Trucks von 14,7 auf 15,2 Prozent verbessert." In China sei der Absatz um 37 Prozent und der Marktanteil von 9,8 Prozent auf 11,4 Prozent gesteigert worden. Weiterhin enttäuschend sei jedoch die Finanzlage des Kerngeschäfts in Nordamerika: "Wir müssen unsere Kostenstruktur in allen wesentlichen Bereichen wie Materialkosten, Produktivität, Auslastung und Gesundheitskosten weiter signifikant verbessern."
In den USA versuchen die Autohersteller seit längerem, mit Preisnachlässen Marktanteile zu Gunsten der Wettbewerber zu gewinnen. Erfolgreich entwickelt sich das von GM angebotene Rabattprogramm zu Mitarbeiterpreisen: Im Juni steigerte der Konzern seinen Absatz dadurch um mehr als 40 Prozent. Der Fahrzeugbestand bei den Händlern sei im Vergleich zum ersten Quartal um 224.000 Einheiten reduziert worden, erklärte das Unternehmen. Der Lagerbestand ist wichtig, weil dieser die Höhe der Rückstellungen zum Quartalsende beeinflusst.
Im vorbörslichen Handel gaben die GM-Aktien dennoch um rund drei Prozent nach. Auch Aktien von GM-Wettbewerben, etwa der deutsch-amerikanischen DaimlerChrysler verloren.