Autoimperium: VW demonstriert neue Stärke - DER SPIEGEL
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Autoimperium VW demonstriert neue Stärke

Die Grundlagenvereinbarung von VW und Porsche ist gerade erst beschlossen, die Verschmelzung längst nicht vollzogen - doch VW sieht sich bereits auf dem Weg zur Nummer eins auf dem Weltmarkt. Heute nannte der Konzern weitere Details zum geplanten Autoimperium.
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Wolfsburg - Der Autohersteller Volkswagen   sieht sich nach der Einigung mit Porsche   stark genug, um Weltmarktführer Toyota   herauszufordern: "Der Konzern hat sicher das Zeug dazu, die Nummer Eins zu werden", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag in Wolfsburg. Der Konzern habe eine beispiellose Modellpalette, globale Präsenz und höchste Technologiekompetenz.

VW und Porsche: Synergien im Wert von drei Milliarden Euro

VW und Porsche: Synergien im Wert von drei Milliarden Euro

Foto: ddp

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sieht den Konzern durch die am Donnerstag beschlossene Verschmelzung mit Porsche sogar schon auf dem Vormarsch. "Porsche und VW machen einen großen Schritt in Richtung Weltspitze", sagte er. Porsche werde die Ertragskraft des VW-Konzerns deutlich stärken, das operative Ergebnis werde jährlich um 700 Millionen Euro steigen, die Synergien durch die Fusion entsprächen einem Barwert von drei Milliarden Euro. Der Sportwagenhersteller soll seine Unabhängigkeit verlieren und wird voraussichtlich binnen zwei Jahren als zehnte Marke im VW-Konzern eingegliedert.

Pötsch sieht keine Interessenkonflikte

Bei der Zusammenführung der beiden Autohersteller kommt Winterkorn und Pötsch eine zentrale Rolle zu. Sie rücken auch in den Porsche-Vorstand vor und folgen dort auf den bisherigen Chef Wendelin Wiedeking und dessen Finanzvorstand Holger Härter. Pötsch sagte dazu, aus den doppelten Vorstandsposten ergäben sich keine Interessenskonflikte.

Zudem wurden weitere Details zur geschlossenen Grundlagenvereinbarung bekannt. Demnach soll sich VW bis Ende 2009 mit 42 Prozent an der Porsche AG beteiligen. Um den Einstieg bei Porsche zu refinanzieren, ist eine Kapitalerhöhung geplant, im ersten Halbjahr 2010 sollen daher neue Vorzugsaktien ausgegeben werden. Laut VW-Finanzchef soll die Kapitalerhöhung ein Volumen von rund vier Milliarden Euro haben. Die Zustimmung der Aktionäre werde auf einer außerordentlichen Hauptversammlung bis Ende des Jahres eingeholt, erklärte er. Für das österreichische Autohandelsgeschäft von Porsche mit Sitz in Salzburg zahle VW rund drei Milliarden Euro.

Die Familien Piëch und Porsche bleiben größter VW-Aktionär. Sie sollen künftig zwischen 35 und 40 Prozent an VW halten. Die bislang an Porsche zur Hälfte beteiligten Vorzugsaktionäre könnten im Wege der geplanten Verschmelzung von VW und Porsche VW-Vorzugsaktien bekommen.

Das Emirat Katar, das sich mit 17 Prozent an dem neuen Konzern beteiligen will, wird damit zum dritten Großaktionär neben dem Land Niedersachsen.Die Beteiligung soll leicht unter dem Stimmrechtsbesitz des Landes Niedersachsen mit rund 20 Prozent liegen. Die Verhandlungen über den Erwerb von VW-Optionen, die Porsche hält, durch das Emirat Katar sind laut Pötsch "weit gediehen".

Betriebsrat will bis zu fünf Prozent Mitarbeiterbeteiligung

An dem entstehenden großen Autokonzern sollen auch die Beschäftigten Anteile halten. Der VW-Betriebsrat strebt eine Mitarbeiterbeteiligung zwischen einem und fünf Prozent an. Das sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh am Freitag in Wolfsburg. Es gehe darum, die Belegschaft langfristig am Unternehmen zu beteiligen. Die Dividende sei für soziale Zwecke vorgesehen. Demnächst begännen Verhandlungen über die Mitarbeiterbeteiligung.

Wettbewerbshüter werden aller Voraussicht nach der Übernahme von Porsche durch den Volkswagen-Konzern keine Hindernisse in den Weg stellen. Das Zusammengehen ist nach Einschätzung der Behörde nicht anmeldepflichtig. Dafür müsste ein "Kontrollerwerb" vorliegen, was aber nicht der Fall zu sein scheine, sagte eine Sprecherin der Behörde am Freitag in Bonn.

Ohnehin wäre das Vorhaben, wenn überhaupt, von der Europäischen Kommission zu prüfen. Diese hat bereits im vergangenen Jahr entschieden, dass dem Zusammenschluss nichts im Wege steht. In einer Mitteilung von 23. Juli 2008 heißt es, es sei nicht zu erwarten, dass ein Zusammengehen der beiden Autohersteller den wirksamen Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich beeinträchtigen werde.

tko/dpa/AP/Reuters