Autoindustrie: Faurecia-Chef wusste von Schmiergeldzahlung - DER SPIEGEL
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Autoindustrie Faurecia-Chef wusste von Schmiergeldzahlung

Der Chef des französischen Autozulieferers Faurecia, Pierre Lévi, hat nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft seit 2001 von Schmiergeldzahlungen an mehrere Autokonzerne gewusst. Nun hat Lévi ein Geständnis abgelegt.
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Frankfurt am Main - Der Faurecia-Chef gelte in den Ermittlungen als Beschuldigter und habe gegenüber der Staatsanwaltschaft ein Geständnis abgelegt, bestätigte die leitende Ermittlerin Sibylle Gottwald heute. Bestochen wurden Mitarbeiter von VW, Audi, BWM und möglicherweise weiteren Autobauern.

Lévi habe in einem Brief zugegeben, von den Zahlungen seit 2001 gewusst zu haben, sagte Staatsanwältin Gottwald. Lévi habe die Zahlungen nicht unterbunden und habe sich damit zumindest der Beihilfe schuldig gemacht. Unterdessen zieht die Affäre immer weitere Kreise: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen inzwischen insgesamt elf Zulieferer in den Korruptionsskandal verwickelt sein. In dem Verfahren ermitteln die Staatsanwaltschaft München und Frankfurt am Main.

Dabei dringt nach Volkswagen nun auch BMW auf personelle Konsequenzen bei den betroffenen Unternehmen. Der Münchener Automobilhersteller habe allen bislang in der Affäre bekannten Zulieferern als Bedingung für eine künftige Zusammenarbeit die konsequente Aufklärung der Vorwürfe genannt, sagte Unternehmenssprecher Linus Schmekel.

Brief von VW-Chef Pischetsrieder

Zuvor hat VW-Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder in einem Brief erklärt, sein Konzern wolle nicht länger mit Lévi zusammenarbeiten. Ohne Lévi direkt zu nennen, forderte nun auch BMW personelle Konsequenzen bis auf höchster Ebene: "Wenn jemand aus der Geschäftsleitungsebene direkt betroffen ist, dann gilt das auch für diese Person", sagte BMW-Sprecher Schmekel. Auch BMW habe die in Verdacht geratenen drei Mitarbeiter entlassen.

Schmekel dementierte zugleich Presseberichte, wonach es sich bei einem der Hauptbeschuldigten um den früheren Einkaufschef des Unternehmens handle: "Er war in leitender Funktion im Einkauf beschäftigt, war aber in keinster Weise Chefeinkäufer, sondern nur für beschränkte Umfänge zuständig." Aus Branchenreisen hieß es unterdessen, die Initiative zu den Schmiergeldzahlungen sei zumindest bei fünf deutschen Zuliefererfirmen offenbar von dem BMW-Manager selbst ausgegangen.

Nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte zuletzt die Position eines Hauptabteilungsleiters inne. Neben zwei weiteren BMW-Mitarbeitern richteten sich die Ermittlungen gegen zwei Dutzend Mitarbeiter von sechs Zulieferfirmen, darunter auch Faurecia, erklärte Behördensprecher Anton Winkler. Die an die drei Ex-BMW-Mitarbeiter gezahlten Schmiergelder summierten sich insgesamt "auf einen Millionenbereich", sagte Winkler.

Zwei deutsche Faurecia-Mitarbeiter hätten angekündigt mit den Ermittler kooperieren zu wollen, fügte er hinzu. Auch der seit über einem Jahr in Untersuchungshaft sitzende Ex-BMW-Manager habe der Staatsanwaltschaft Angaben zu Schmiergeldzahlungen gemacht. Der BMW-Sprecher erklärte, der Schaden, der dem Münchener Konzern durch die Bestechungsaffäre entstanden ist, sei derzeit nicht messbar. Ob die Zulieferer, wie von der Staatsanwaltschaft vermutet, Bestechungsgelder einfach auf die Preise draufschlagen konnten, halte er für sehr fraglich.

tim/dpa/AP

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