Autoindustrie GM-Spitze prüft Allianz mit Renault-Nissan
Detroit - Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors (GM) will Zeitungsberichten zufolge am Freitag über eine mögliche Allianz mit den Konkurrenten Renault und Nissan beraten. GM-Finanz-Vorstand Fritz Henderson leite eine entsprechende Projektgruppe, schreiben "Financial Times" und "Detroit News". GM-Vorstandschef Rick Wagoner habe bereits Gespräche mit Carlos Ghosn geführt, der Renault und Nissan in Personalunion leitet. Eine GM-Sprecherin wollte diese Berichte nicht bestätigen. "Ich bin mir aber sicher, dass es im Konzern Leute gibt, die jetzt damit beginnen, sich eine Kooperation genauer anzusehen", sagte sie der "Financial Times".
Der Milliardär Kirk Kerkorian, mit 9,9 Prozent der Anteil Großaktionäre beim Opel-Mutterkonzern GM, hatte die Dreier-Allianz mit den Franzosen und den Japanern angeregt. Darüber beriet Kerkorian bereits mit Ghosn.
Die Verwaltungsräte von Renault und Nissan hatten Anfang der Woche beschlossen, eine derartige Allianz zu prüfen, wenn sie dazu von GM eingeladen werden. Japanischen Presseberichten zufolge könnten der französische und der japanische Konzern, die ihrerseits über gegenseitige Kapitalbeteiligungen und eine gemeinsame Führung verbunden sind, jeweils zehn Prozent an GM übernehmen. Die französische Regierung, die mit 15 Prozent zu den wichtigsten Renault-Aktionären zählt, hatte zurückhaltend auf den Bündnisplan reagiert. Der französische Industrieminister Francois Loos erklärte gestern, man müsste mit "enormer Vorsicht" vorgehen. Eine Allianz mit GM sei "kein abgeschlossener Deal, sondern eine Idee".
Japanische Analysten äußerten Berichten zufolge Bedenken, eine Allianz mit GM könnte Nissan mehr schaden als nützen. Man sehe keine Vorteile für Nissan in einer solchen Zusammenarbeit, zitiert das "Wall Street Journal" Experten. Eine solche Allianz würde Nissan zudem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten treffen: Der japanische Autobauer verzeichnet drastische Verkaufsrückgänge, auch auf dem japanischen Heimatmarkt; als Grund nennen Experten vor allem fehlende neue Modelle. "Wir können nicht ausschließen, dass Nissan durch eine Allianz mit GM weiter heruntergezogen wird", sagte Hitoshi Yamamoto von der japanischen Investmentfirma Commerz International Capital Management.
General Motors ist gemessen an der Zahl der fabrizierten Autos der größte Hersteller der Welt; der US-Konzern sitzt aber auf Milliardenschulden und muss zudem riesige Pensionszahlungen an seine Ex-Mitarbeiter leisten. In den USA will GM 30.000 Stellen streichen und bis 2008 zwölf Werke schließen, um sich angesichts der zunehmenden Konkurrenz vor allem durch die japanischen Hersteller Toyota und Honda auf dem heimischen Markt neu aufzustellen. Experten erwarten, dass Toyota GM als größten Autoproduzenten der Welt überholen wird.
kaz/AFP