Autoindustrie: Inder sollen Smart retten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Autoindustrie Inder sollen Smart retten

Neue Verkaufsgerüchte um die Krisenmarke Smart: Eine führende europäische Auto-Zeitung berichtet, DaimlerChrysler verhandle mit dem Piaggio-Konzern. Die Italiener wollten die Marke kaufen und die Produktion nach Indien verlagern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Der italienische Motorrad- und Kleinfahrzeugehersteller Piaggio verhandelt offenbar mit DaimlerChrysler über eine Übernahme der Kleinwagenmarke Smart. Das meldete die Branchenzeitung "Automotive News Europe" am Sonntag unter Berufung auf Verhandlungskreise in Italien. Das Blatt ist die europäische Schwesterzeitung der deutschen Automobilwoche und erscheint am Montag.

Piaggios Mehrheitsaktionär, die IMMSI Gruppe in Mailand, bestätigte dem Magazin, dass die Investmentbank Goldman Sachs im Auftrag von DaimlerChrysler "Kontakt mit IMMSI aufgenommen hat, um das Interesse an einer Übernahme abzuschätzen".

Ein Piaggio-Sprecher wies den Bericht dagegen vehement zurück: "Piaggio dementiert auf die kategorischste Art und Weise, dass es sich mit irgendeiner Hypothese beschäftigt, die mit der Akquisition von Smart zu tun hat." Der italienische Hersteller der legendären "Vespa" will im Sommer an die Börse gehen. Ein DaimlerChrysler-Sprecher sagte am Sonntag: "Ein Verkauf von Smart steht nicht auf der Agenda."

Produktion nach Indien verlagern

Weiter schreibt das Blatt unter Berufung auf Verhandlungskreise, dass DaimlerChrysler Piaggio zu einem "sehr vernünftigen Preis" die Markenrechte, das Werk in Hambach sowie alle Unterlagen und Rechte an geplanten Modellen angeboten haben soll. Besonders interessiert seien die Italiener an den kleinen, emissionsarmen Benzin- und Diesel-Motoren von Smart haben. Piaggio solle dem Vernehmen nach eine Verlagerung der Smart-Produktion von Hambach nach Indien planen.

DaimlerChrysler betonte bislang, der Konzern wolle an Smart festhalten. Die Marke solle bis 2007 saniert werden. Im April 2005 hatte DaimlerChrysler eine Stilllegung von Smart geprüft, sich dann aber für die milliardenschwere Sanierung entschieden. Zwar hatte Konzernchef Dieter Zetsche bestätigt, dass die Investmentbank Goldman Sachs mit der Sondierung der Situation beauftragt worden sei. Dies gelte aber nur für mögliche Kooperationen auf der Produktebene.

Zetsche will Konzernzentrale verkleinern

Nach Informationen des SPIEGEL will der neue DaimlerChrysler- Chef Dieter Zetsche in einem Top-Management-Meeting am 24. Januar die Führungskräfte über seine ersten Umbaupläne im Konzern informieren. So soll die Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen, in der 5000 Mitarbeiter beschäftigt sind, deutlich verkleinert werden.

Viele Arbeiten werden bislang sowohl in der Zentrale, die Vorgänger Jürgen Schrempp einst als "bullshit castle" bezeichnet hatte, als auch bei den einzelnen Marken erledigt. Damit soll nun Schluss sein. Einzelne Funktionen werden wieder den Marken Mercedes-Benz und Chrysler direkt übertragen. Zetsche selbst hat zwar ein Büro in Möhringen, nutzt aber meistens sein zweites Domizil im Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim.

In der Konzernzentrale wird ein Stellenabbau wohl unvermeidlich. Der neue Vorstandschef möchte deshalb auch den Aufsichtsrat auf einer Sondersitzung in dieser Woche informieren. Außerdem verteilt Zetsche die Aufgaben zwischen dem Nutzfahrzeugbereich und der Mercedes Car Group neu. Die Transportersparte, bislang bei den Nutzfahrzeugen angesiedelt, soll künftig von Mercedes-Benz mitgeführt werden.