Autoindustrie VW will mit neuer Fabrik Russland erobern
Detroit - VW will den Marktanteil in Russland von jetzt zwei bis drei Prozent mit einem neuen Werk auf zehn Prozent steigern. Entstehen soll die Fabrik in Stupino südlich von Moskau.
Das russische Werk soll zunächst eine Montagefabrik sein, also vorgefertigte Teilsätze zu ganzen Autos zusammenbauen. "Es muss in fünf Jahren ein vollwertiges Werk daraus werden", kündigte Konzernchef Bernd Pischetsrieder auf der Automesse in Detroit an. Als erstes Modell soll der Kompaktwagen Skoda Octavia montiert werden. Später will Pischetsrieder in Russland auch eine europäische Version des Kleinwagens Gol bauen, den der Konzern seit Jahren in Brasilien baut und verkauft.
250.000 Autos sollen in der neuen russischen Fabrik jährlich vom Band laufen, erklärte Pischetsrieder. Baubeginn könne noch im laufenden Jahr sein. Vor dem Bau sei jedoch noch die Zustimmung des Aufsichtsrats nötig, die allerdings gilt als sicher.
Pischetsrieder sieht erst in fünf Jahren "Licht am Ende des Tunnels"
Der Vorstoß gen Osten soll ein Mittel sein, um den Absatz von VW in den nächsten Jahren deutlich anzukurbeln. Denn obwohl Volkswagen 2005 weltweit mit 5,24 Millionen Fahrzeugen einen Absatzrekord erzielte, ist Konzernchef Bernd Pischetsrieder unzufrieden. "Besser ist immer noch schlechter als gut", erklärte er. In wichtigen Märkten wie den USA und China blieb der Verkauf deutlich hinter den Erwartungen zurück. Angesichts hoher Kosten fährt VW außerdem derzeit einen Milliarden-Sparkurs. Pischetsrieder bekräftigte das Ziel, das konzernweite Vorsteuerergebnis bis 2008 um vier Milliarden Euro zu verbessern.
Das Hauptsorgenkind unter den einzelnen Konzernmarken ist derzeit die Kernmarke VW. Markenchef Wolfgang Bernhard sagte in Los Angeles, das Ergebnis der Marke Volkswagen sei 2005 trotz einer weltweiten Absatzsteigerung "vollkommen unbefriedigend" gewesen. Bei der Sanierung der ertragsschwachen Marke sieht Bernhard erst in fünf Jahren "Licht am Ende des Tunnels".
Gesetzesänderung macht Fabrikbau erst möglich
Der russische Markt scheint viel versprechend auf dem Weg zu einem besseren Konzernergebnis. Der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Andrej Scharonow hatte im Juli prophezeit, die Nachfrage nach Autos in Russland werde sich von derzeit jährlich einer Million binnen fünf Jahren mindestens verdoppeln. VW hatte deshalb schon länger Interesse am Bau einer Fabrik in Russland gehabt.
Die Verhandlungen mit den russischen Stellen waren allerdings lange Zeit wegen strenger gesetzlicher Bestimmungen in Russland nicht vorangekommen. Ein Werksbau hätte sich nach den Worten Pischetsrieders nicht gelohnt. Seit einem halben Jahr aber gelte in Russland eine andere gesetzliche Lage. Russland hatte im Sommer angekündigt, mit Zollerleichterungen und Anlaufvorteilen für den Aufbau einer Montage den Automobilmarkt verstärkt für ausländische Produzenten zu öffnen.