Automarkt: Magna will Opel bis September übernehmen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Automarkt Magna will Opel bis September übernehmen

Der neue Eigner hat große Pläne, der deutsche Autobauer jubelt: Magna will die Übernahme bis September regeln und künftig auch Modelle in Kanada verkaufen. Die Opel-Führung bedankt sich mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen - und Russland erwartet einen Technologietransfer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ottawa - Der neue Eigner gibt sich noch zurückhaltend: Opel wird nach Einschätzung von Magna-Chef Frank Stronach erst in vier Jahren wieder Gewinn machen. Der umgebaute Autohersteller werde mit einer neuen Modellpalette binnen drei Jahren aus den roten Zahlen herauskommen und im vierten Jahr wieder profitabel arbeiten, sagte Stronach am Dienstag in Ottawa.

Magna-Chef Stronach: "Opel-Modelle sind nicht für den US-Markt"

Magna-Chef Stronach: "Opel-Modelle sind nicht für den US-Markt"

Foto: REUTERS

Der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna und die russische Sberbank wollen Opel in den kommenden Monaten übernehmen. Man rechne mit einem "sehr, sehr schnellen Abschluss", sagte Magna-Co-Chef Siegfried Wolf am Mittwoch in Rüsselsheim. Spätestens Ende September solle der Einstieg dann unter Dach und Fach gebracht werden. In den nächsten vier bis fünf Wochen könne ein Vertrag unterzeichnet werden. Bis dieser von allen zuständigen Stellen gebilligt worden sei, werde es aber voraussichtlich Ende September sein. "Die Zeit ist sehr, sehr knapp." Der Magna-Chef betonte, der Europachef von General Motors, Carl-Peter Forster, werde Opel führen.

Als ersten Schritt will der neue Opel-Besitzer neue Märkte erschließen. Magna wolle ab Ende des Jahres Opel-Autos auch nach Kanada exportieren und dort verkaufen, sagte Stronach der Zeitung "Toronto Star". In Ottawa kündigte er an, Magna wolle in den kommenden Jahren auch Opel-Modelle in Kanada bauen. Einen genauen Zeitpunkt dafür nannte er allerdings nicht. Dieser stehe noch nicht fest, sagte eine Magna-Sprecherin.

Opel soll mittelfristig weltweit Autos verkaufen

Für den US-Markt seien die Opel-Autos nicht bestimmt, sagte Stronach. Opel werde seiner Mutter General Motors (GM) auf deren Heimatmarkt keine Konkurrenz machen. Dies könne sich allerdings nach ein paar Jahren ändern, fügte er hinzu. Auch in China werde Opel zunächst nicht aktiv. Nach den Plänen des Betriebsrats soll Opel aber mittelfristig weltweit Autos verkaufen.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz zeigte zwar Verständnis, dass GM Opel zunächst weiterhin nicht in Nordamerika dulde, weil das insolvente Unternehmen vier Marken "vom Netz nehmen und Zehntausende Arbeitsplätze" abbauen müsse. "Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", betonte Franz. Dasselbe gelte auch für Asien. "Die Marke Opel wird am Ende des Tages eine globale Marke sein auf allen Märkten in dieser Welt", sagte er. Das Thema müsse innerhalb der kommenden fünf Jahre auf den Tisch.

In Deutschland baute Opel seinen Marktanteil mitten in der Krise aus. Er stieg im Mai nach Werksangaben mit 39.256 Zulassungen auf 10,2 Prozent nach 10,0 Prozent im April. Im Mai des Vorjahres hatte das Unternehmen noch gut 14.000 Autos weniger verkauft. Bereits zum vierten Mal in Folge belege man damit im Mai den zweiten Rang in der Statistik, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Spitzenreiter bleibt Volkswagen.

Die Opel-Geschäftsführung, Mitarbeiter und Betriebsrat bedankten sich in mehreren überregionalen Tageszeitungen für die Anstrengungen zur Rettung des Autobauers. Darin heißt es: "Mit der von der Bundesregierung zugesagten Brückenfinanzierung sind wir dem Ziel, die Zukunft von Opel unabhängig von den weiteren Entwicklungen bei General Motors  zu sichern, ein großes Stück näher gekommen." Dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem "zukunftsfähigen Unternehmen, das mit weiteren Investoren begeisternde Autos auf den Markt bringen wird".

Russland erwartet Zugewinn an Arbeitsplätzen

Der stellvertretende russische Ministerpräsident Sergej Iwanow erhofft sich vom Einstieg der Sberbank bei Opel einen weitreichenden Technologietransfer in die russische Autoindustrie. "Der Einstieg kann ein gutes Beispiel für Kooperationen im Hightechbereich werden. Wir sind einem deutschen Autogiganten zu Hilfe gekommen, versprechen uns davon aber auch Vorteile" zitiert der "Rheinische Merkur" den Politiker.

Eine Zusammenarbeit im Industriebereich sei ein wichtiger Faktor, um gegenseitiges Vertrauen zu schaffen, erklärte Iwanow. Zudem erwartet er den Angaben zufolge einen deutlichen Zugewinn an Arbeitsplätzen beim russischen Hersteller Gaz. "Nur noch die Stoßstange anschrauben, so wie einst bei BMW in Kaliningrad - die Nummer läuft nicht mehr", sagte Iwanow. Gaz und die Sberbank wollen gemeinsam mit ihrem Partner Magna rund 55 Prozent an Opel übernehmen.

Der CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sieht nach der Opel-Rettung derweil viele offene Fragen. "Es sind längst noch nicht alle Fragen geklärt", sagte er der Würzburger "Main-Post". Trotz der Vorentscheidungen des Wochenendes müsse in vielen Fragen weiter verhandelt werden, etwa was die Sicherheit des Überbrückungsdarlehens von 1,5 Milliarden Euro angehe. "Magna und die Sberbank in Russland dürfen auf keinen Fall glauben, sie könnten ein Investorenrisiko auf den deutschen Steuerzahler abwälzen. Das ist für mich ein Knackpunkt", sagte Ramsauer .

kaz/AFP/AP/dpa