Autovertrieb Preissenkung für Neuwagen ist abzusehen
Gelsenkirchen - Nicht allein Autos würden spürbar billiger, auch die Preise für Werkstattleistungen und Ersatzteile würden zurückgehen, sagte Dudenhöffer. "Ford, Peugeot und Volkswagen aus einer Hand - Autokäufer haben künftig die Wahl zwischen verschiedenen Marken, ohne von Vertragshändler zu Vertragshändler reisen zu müssen".
Durch die neuen Vertriebsregeln für die Automobilbranche falle die bisherige, strikte Markenbindung der Autohändler weg. Auch dürfe künftig ein Händler ausschließlich verkaufen, während ein anderer sich allein um den Service kümmere. Am 1. Oktober müssen alle Automobilhersteller und Importeure in Europa ihr Vertriebssystem entsprechend neu geregelt haben.
Eine der wichtigsten Konsequenzen der neuen Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) sei, dass die Preisunterschiede zwischen den einzelnen EU-Staaten zurückgingen, erläuterte der Marketing-Experte. "Gewinner ist der deutsche Autokäufer, denn im Hochpreisland Deutschland werden wir mit drei bis vier Prozent geringeren Autopreisen rechnen können. Dabei werden die Preise meist bei der Einführung neuer Fahrzeuge harmonisiert." Hintergrund sei, dass jeder Händler in wenigen Wochen seine Fahrzeuge europaweit verkaufen könne. Ein dänischer Händler könne also auch in Deutschland verkaufen - etwa durch Einschaltung eines Vermittlers wie des Versandhändlers Quelle.
Aber auch beim Handel werde es Veränderungen geben. "Mit der neuen GVO geht klar der Trend einher, dass das kleine Autohaus im Neuwagenverkauf in Zukunft kaum mehr zu sehen sein wird", erläutert Dudenhöffer. Mit größeren Handelspartnern, die zumeist für einen bestimmten Wirtschaftsraum verantwortlich seien, würden die Fixkosten verringert. Die Hersteller forcierten diesen Trend, indem mit den neuen Verträgen die Händlermargen zwischen ein und zwei Prozent reduziert würden. "Von dieser Margenkürzung profitiert wiederum der Kunde", zeigt sich Dudenhöffer überzeugt.
Ferner könne man davon ausgehen, dass die Markenhändler künftig mehrere Werkstattverträge haben werden: Der Opel-Händler wird sich auch um einen Ford-Werkstatt-Vertrag und einen VW-Werkstattvertrag bemühen. "Um Ford-Kunden in die Opel-Werkstatt zu bringen, braucht der Opel Händler bessere Preise als der Ford Händler bei den Ford-Reparaturen. Also wird der neue Wettbewerb auch die Werkstattpreis für den Autofahrer senken", betonte der Branchenexperte. Die Größenordnung werde zwischen fünf und zehn Prozent liegen, schätzt er.
Ein Teil der günstigeren Werkstattpreise wird laut Dudenhöffer auf das Konto von Preissenkungen bei den Original-Ersatzteilen gehen. Mit der neuen GVO dürften jetzt auch Zulieferer ihre Ersatzteile, sofern sie aus der Produktion für den Hersteller stammen, als Original-Ersatzteile verkaufen. Die Wertschöpfungstiefe in der Automobil-Konzerne betrage heute schon etwa 25 Prozent. Nur ein Viertel der Herstellungskosten eines neuen Autos kämen vom Hersteller, 75 Prozent lägen beim Zulieferer. Da bei Original-Ersatzteilen bislang hohe Margen vom Hersteller kalkuliert würden, sei auch hier ein Preiswettbewerb zum Vorteil des Autofahrers vorgezeichnet. Insgesamt mache der neue Wettbewerb mit der GVO den Verbraucher zum Gewinner, betont Dudenhöffer.