Aventis-Sanofi: Französische Regierung setzt Fusion durch - DER SPIEGEL
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Aventis-Sanofi Französische Regierung setzt Fusion durch

Nach einem verbesserten Angebot und massiver Intervention der französischen Regierung hat der Pharmakonzern Aventis die Übernahme durch den kleineren französischen Rivalen Sanofi angenommen. Frankreichs Ministerpräsident Raffarin begrüßte die nationale Lösung, Bundeskanzler Schröder zeigte sich irritiert.
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Paris - Schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Einigung meldete sich die Regierung zu Wort. "Die Wahl einer Fusion zwischen Sanofi   und Aventis   wird den Erhalt von Entscheidungszentren und Arbeitsplätzen in Frankreich und in Europa erlauben und stimmt mit einem strategischen Interesse überein", erklärte Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin. Er gab damit offen zu, dass seine Regierung alles getan hat, um den größten europäischen Pharmakonzern in Frankreich entstehen zu lassen.

Raffarin und sein Kabinett hatten stets eine klare Präferenz für eine "nationale Lösung" gezeigt, sie standen einem möglichen Zusammenschluss von Aventis mit dem schweizerischen Novartis-Konzern ablehnend gegenüber.

Kritiker warfen der französischen Regierung Einmischung vor und sagten, die Parteinahme könne potenzielle Investoren abschrecken. "Für die Innenpolitik und (Finanz-)Minister (Nicolas) Sarkozy ist es ein Sieg, aber wenn man schaut, welches Signal für die Märkte und die ausländischen Investitionen ausgesendet wird, ist es kein Gewinn", sagte ein Novartis-Vertreter. Die französische Regierung hatte in der Vergangenheit wiederholt Partei ergriffen, um die Bildung "nationaler Konzerne" zu begünstigen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Schweizer Bundespräsident Joseph Deiss haben nach französischen Presseangaben irritiert auf die "Einmischung" der Regierung in Paris reagiert. Es handele sich um Entscheidungen von Unternehmen, bei denen die Politik sich neutral verhalten sollte, wurde Schröder zitiert.

Vorstand und der Verwaltungsrat von Aventis empfahlen den Aktionären heute die Annahme des erhöhten Übernahmeangebots. "Wir sind erfreut, eine Einigung erreicht zu haben, die den Wert von Aventis von einem finanziellen Standpunkt sowie das Talent und die Expertise unserer Mitarbeiter anerkennt", sagte Aventis-Chef Igor Landau am Montag. Das verbesserte Angebot bewerte Aventis insgesamt mit 55,3 Milliarden Euro verglichen mit dem ursprünglichen Angebotswert von 48,5 Milliarden Euro.

Bei der Entscheidung des Aventis-Verwaltungsrats habe die Mehrheit von 13 Mitgliedern zugestimmt. Die Arbeitnehmervertreter hätten dagegen gestimmt. Mit dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen entstünde der größte europäische Pharmakonzern, weltweit wäre das fusionierte Unternehmen nach Branchenprimus Pfizer und der britischen GlaxoSmithKline an Platz drei.

Sanofi hatte zunächst Ende Januar eine feindliche Übernahmeofferte für Aventis vorgelegt. Das Management der erst 1999 aus der Fusion der französischen Rhone-Poulenc und dem Frankfurter Hoechst-Konzern entstandenen Aventis hatte das ursprüngliche Angebot aber mehrfach als zu niedrig zurückgewiesen.

In den Kreisen hieß es weiter, der neuen Gruppe vorstehen werde Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq, sein Vize werde von Aventis kommen. Es werde aber nicht Landau sein. Über dessen Zukunft wurde zunächst nichts bekannt. Er soll bereit sein, bei einer Abfindung von 24 Millionen Euro seinen Platz zu räumen.

Im Detail sieht die Offerte einen Baranteil von 29 Prozent und einen Aktienanteil von 71 Prozent vor. Dabei bekommen Aventis-Aktionäre je eigener Aktie 0,83 Sanofi-Aktien plus 20 Euro in bar sowie die Dividende für 2003. Aventis-Aktionäre hätten aber auch die Möglichkeit, sich ihre Aktien in bar abgelten zu lassen. Für diesen Fall bietet Sanofi 68 Euro pro Aktie.

Angesichts der neuen Lage zog sich der Baseler Konkurrent Novartis aus dem Übernahmeringen zurück. Aventis hatte den Schweizer Konkurrenten Anfang April als "Weißen Ritter" ins Spiel gebracht. Novartis erklärte, der Konzern werde keine Gegenofferte zu dem Übernahmeangebot von Sanofi vorlegen. Nachdem Aventis angesichts "der starken Intervention der französischen Regierung" beschlossen habe, mit Sanofi in Verhandlungen zu treten, werde Novartis die Gespräche mit Aventis nicht fortsetzen. Diese Entscheidung sei endgültig. Novartis war von Aventis zu Fusionsgesprächen eingeladen worden.