Einkaufstour Axel Springer plant KI-Offensive
Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner: »Ein Monat in der KI ist wie zwei Jahre im alten Internet.«
Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / dpaDer Axel-Springer-Verlag will sich mit Übernahmen Expertise bei künstlicher Intelligenz (KI) sichern. »Wir haben beschlossen, ein M&A-Kompetenzzentrum einzurichten«, sagte Konzernchef Mathias Döpfner in einem internen Podcast an die Beschäftigten, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Dieses Team solle sich nur auf Übernahmen (M&A) konzentrieren. Es gehe um »Akquisitionen von KI-Unternehmen in der Frühphase oder in der Spätphase – die aus verschiedenen Gründen wichtig oder attraktiv für Axel Springer sein können«.
Es sei möglich, dass man etwa fünf Übernahmen mache und dass es fünfmal nicht funktioniere. »Vielleicht wählen wir unter ihnen das neue Stepstone, das Axel Springer in Zukunft verändern wird.« Stepstone ist das erfolgreiche Online-Jobportal des Berliner Medienhauses, das noch 2023 an die Börse soll.
Das Tempo der Veränderung bei künstlicher Intelligenz sei enorm, sagte Döpfner. »Ein Monat in der KI ist wie zwei Jahre im alten Internet.« Große Unternehmen hätten hier deutliche Vorteile.
Bei Übernahmen wäre für Springer in der Debatte über Fake News wichtig, »wie wir Fälschungen vermeiden und wie wir die Vertrauenswürdigkeit und Wahrhaftigkeit erhöhen können«. KI könne das Problem und auch die Lösung sein. Vielleicht gebe es aber auch eine Kategorie von Firmen, die sich mehr darauf konzentrierten, die Geschäftsmodelle bestehender Kleinanzeigengeschäfte, E-Commerce-Unternehmen, Preisvergleiche, Medienmarken und den Journalismus insgesamt durch sogenannte »Disruption« zu stören und auf den Kopf zu stellen. »Ich wäre sehr daran interessiert, diese Firmen zu verstehen und in sie zu investieren«, erklärte Döpfner. »Wenn jemand den Journalismus töten will, dann lasst uns verstehen, wie und warum, und lasst uns Journalisten es selbst tun.«
Zuletzt hatte es Aufregung über Äußerungen Döpfners gegeben. In internen Nachrichten, über die die Wochenzeitung »Die Zeit« berichtet hatte, bezeichnete er Ostdeutsche als »Faschisten« oder »Kommunisten« und machte sich für eine FDP-freundliche Berichterstattung in der »Bild«-Zeitung stark.