Axel Springer Verlag Erstmals Verlust seit 50 Jahren
Hamburg - Am Dienstag nach Börsenschluss meldete das Hamburger Unternehmen einen Gewinneinbruch wegen des schwachen Anzeigengeschäftes sowie Umstrukturierungen. Der Vorstand schlage angesichts des Millionen-Fehlbetrags vor, auf eine Dividendenzahlung zu verzichten. Im Vorjahr hatte der Verlag noch 1,43 Euro je Aktie ausgeschüttet.
Der Fehlbetrag im abgeschlossenen Geschäftsjahr belaufe sich nach vorläufigen Zahlen auf 191 Millionen Euro nach einem Überschuss von 98 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz liege mit 2,86 Milliarden Euro unter dem des Vergleichszeitraums von 2,90 Milliarden Euro. Das operative Geschäft sei aber positiv geblieben, hieß es.
Keine Prognose für 2002
Eine Prognose für das laufende Jahr lieferte Springer nicht. "Dazu ist es noch zu früh", sagte Unternehmenssprecherin Edda Fels. Dazu wolle sich der Verlag auf der Bilanzpressekonferenz Ende Mai äußern. Sie verwies aber darauf, dass der Werbemarkt weiterhin schwierig sei.
Ursache für den Ergebniseinbruch sei vor allem das laufende Sparprogramm. Das Verlagshaus will rund zehn Prozent seiner insgesamt 14.000 Mitarbeiter abbauen. 2001 seien dazu bereits Rückstellungen gemacht worden, sagte Fels.
Belastend hätte sich auch die Integration des zu Jahresbeginn erworbenen Wilhelm Heyne Verlages in die neue Verlagsgruppe Ullstein Heyne List ausgewirkt. Inwieweit die einzelnen Bereiche zu Buche schlagen, konnte die Sprecherin nicht sagen. Eine genauere Aufschlüsselung wolle das Unternehmen Ende Mai vorlegen.
Kein weiterer Zusammenschluss von Redaktionen
Trotz des Verlustes solle das Umstrukturierungsprogramm nicht ausgeweitet werden, sagte Fels. Ausgeschlossen sei auch eine Zusammenlegung der "Roten Gruppe" ("Bild", "Bild am Sonntag", "B.Z."). Im vergangenen Jahr hatte Springer eine weit reichende Kooperation von "Welt" und "Berliner Morgenpost" beschlossen. Daraufhin war in Presseberichten über eine Zusammenlegung der Boulevard-Zeitung spekuliert worden. Die Zusammenführung von "Welt" und "Berliner Morgenpost" verlaufe "planmäßig".
Der Axel Springer Verlag ist in den vergangenen Wochen im Zusammenhang mit der hoch verschuldeten Münchner Mediengruppe Kirch in die Schlagzeilen geraten. Die KirchGruppe hält einen Anteil von etwa 40 Prozent an dem Verlag. Die HypoVereinsbank hatte Leo Kirch 1,1 Milliarden Euro für sein Aktien-Paket angeboten. Dieses Angebot steht nach Informationen aus Branchenkreisen immer noch. Auch andere Investoren haben Angebote abgegeben.