Baan-Übernahme Invensys gibt nicht auf
Amsterdam - Invensys hatte für eine Übernahme 95 Prozent aller Baan-Aktien gefordert. Derzeit verfügt Invensys nach Angaben von Baan-Chef Pierre Everaert über 75 Prozent der Aktien; sie wurden bis zum Ende der Erklärungsfrist am Dienstag zugesagt.
Man habe die Übernahme zum Preis von 2,85 Euro je Aktie und einer Gesamtsumme von 772 Millionen Euro jedoch durchgedrückt, weil ein weiteres Aufschieben der Entscheidung für Baan "extrem schädlich" gewesen wäre, sagte Everaert. Die Baan-Aktie ging in Amsterdam am Mittwoch durch Höhen und Tiefen. Im Sog der US-Börse Nasdaq sank der Kurs zunächst um ein Fünftel unter den Vortagsschluss, stieg aber bis Mittag wieder auf 2,81 Euro. Als die Übernahme bestätigt wurde, wurde der Handel mit Baan-Aktien ausgesetzt.
Anleger hatten ein Abrücken von Invensys von seinen Übernahmeplänen befürchtet, falls die das Unternehmen nicht die angestrebte Anzahl von Aktien erhalten hätte. Am Markt hieß es, dass Baan im Falle eines Scheiterns des Übernahmeangebots Zahlungsunfähigkeit droht.
Die übrigen Aktionäre können noch bis 1. August ihre Anteile zum Preis von 2,85 Euro je Stück zur Verfügung stellen. Für den 15. August ist eine außerordentliche Hauptversammlung geplant. Sie hat nach Baan-Auskunft hauptsächlich formale Bedeutung. Die Abwicklung des Übernahmeplans wird ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen.
Der Baan-Gesamtbetriebsratssprecher Cor van Dijk begrüßte die Entscheidung von Invensys zur Übernahme. Der Betriebsrat habe sich positiv zu dieser Entscheidung ausgesprochen. "Ich glaube, dass dies befriedigende Perspektiven für die Zukunft gibt", sagte er. "Hier steht jeder hinter der Übernahme." Zuletzt hieß es, dass von den 4200 Arbeitsplätzen 500 bis 1000 Stellen eingespart werden sollen.
Invensys will nach Angaben van Dijks langfristig die Holding des Softwareunternehmens mit dem gesamten Vermögen und allen Schulden sowie dem Personal übernehmen. Dann solle die Holding aufgelöst werden. "Dies ist die einzige Art, um Baan zu retten", bekräftigte Everaert am Mittwoch.
Die Übernahme war bis zuletzt unsicher. Eine Aktionärsgruppe, die nach eigenen Angaben knapp 20 Prozent aller Aktien vertritt, hatte am Dienstag lediglich einen Teil der Aktien an Invensys angeboten. Damit sollte verhindert werden, dass Invensys Baan völlig von der Börse nehmen könne, sagte ein Sprecher. Die Gruppe war für eine Alternative zur Invensys-Übernahme eingetreten. Ihr Plan habe aber keine Aussicht auf Erfolg, wie die Baan-Geschäftsführung wiederholt erklärte.