Baan: Verluste kosteten der "Eisernen Lady" den Job - DER SPIEGEL
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Baan Verluste kosteten der "Eisernen Lady" den Job

Mary Coleman räumt mit sofortiger Wirkung den Chefsessel beim niederländischen Softwareriesen Baan. Erwartete Verluste von rund 485 Millionen Mark im vierten Quartal 1999 raubten der Amerikanerin offenbar ihren Posten und bescherten der Aktie einen massiven Kurseinbruch an den europäischen Börsen.
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Amsterdam - Die Aktie fiel am Vormittag sowohl in Amsterdam als auch in Frankfurt um rund 28 Prozent. Die Händler reagierten damit auf den unerwartet hohen Verlust des Herstellers betriebswirtschaftlicher Software und die ebenfalls am Dienstag angekündigten "schockierenden" Pläne, weitere Arbeitsplätze abzubauen und 14 Niederlassungen zu schließen. Baan will als Teil der Reorganisation vier Prozent der derzeit rund 4700 Mitarbeiter entlassen.

Coleman, die bereits vor ihrem Amtsantritt als Baan-Chefin am 1. Juni 1999 für diverse Sparprogramme in dem Softwarehaus verantwortlich zeichnete, drückte die Verluste im ersten Quartal 1999 bei einem Umsatz von 340 Millionen Mark auf 37 Millionen Mark. Gleichzeitig baute sie von fast 6000 Stellen Ende 1998 über 1200 ab. Die drastischen Schritte waren nötig geworden, da das Vertrauen der Baan-Aktionäre 1998 erschüttert wurde. Der Kurs stürzte damals ab, weil die roten Zahlen in dem Unternehmen auf 580 Millionen Mark angeschwollen waren - bei gerade mal 1,2 Milliarden Mark Umsatz.

Doch der Kurs des Wertpapiers konnte sich trotz des Sparprogramms nicht wesentlich erholen. Auch der Aufstieg von Coleman, die in der Softwarebranche als "Eiserne Lady" gilt, auf den Chefsessel änderte den langfristigen Verlauf der Aktie nicht wesentlich. "Coleman konnte den Kurs des Schiffs nicht wenden", sagte Branchenbeobachter Jan-Hein Arts von der Bank Insinger der Finanzagentur Bloomberg. "Das beweist, wie schwierig die Lage für Baan noch ist." Hintergrund der anhaltenden Verluste dürften auch die Probleme der gesamten Branche sein. In den vergangenen Monaten hatten viele Unternehmen wegen der Arbeit am Jahr-2000-Problem ihre weiteren Investitionen deutlich zurückgefahren. Die Amerikanerin wolle andere technologiebezogene Aktivitäten näher an ihrer Heimat Silicon Valley verfolgen, teilte Baan am Dienstag in Amsterdam als Begründung für den Rücktritt mit.

Die Nachfolge von Coleman tritt vorerst der Vorsitzende des Aufsichtrats, Pierre Everae, an.