Bahn-Börsengang Mehdorn attackiert die Bundesregierung
Berlin - Nur mit Hilfe des Börsengangs könne die Bahn ihre weitere Modernisierung finanzieren, sagte Mehdorn dem "Handelsblatt". Der Bund habe auf absehbare Zeit kein Geld für die erforderlichen Investitionen.
Die Ansprüche der Bahnkunden richteten sich "nicht nach dem Budget des Finanzministers. Wir brauchen Kapital von privaten Investoren", erklärte der Konzernchef.
Mehdorn kritisierte die Ausgabenpolitik des Bundes. Das Denken und Abrechnen in Haushaltsjahren gehe völlig an den Bedürfnissen der Bahn vorbei.
Bahnindustrie rechnet mit weniger Jobs
Die Bahnindustrie in Deutschland sieht ein schwieriges Jahr auf sich zukommen. Der Hauptgeschäftsführer der Branchenverbandes, Michael Clausecker, sagte der "Berliner Zeitung", 2005 werde der Umsatz insgesamt leicht rückläufig sein, der Beschäftigungsabbau werde sich beschleunigen. Von einst 40.000 Stellen mussten 2004 bereits zwischen acht und zehn Prozent abgebaut werden.
Während für den Export die Erwartungen relativ optimistisch sind, sehen die Hersteller mit großer Sorge die Nachfrage im Inland. "Die Investitionen in die Bahn-Infrastruktur werden nur schleppend voran gehen", befürchtet Clausecker.
Im zu Ende gehenden Jahr seien hier bis November kaum Aufträge durch die Bahn AG erteilt worden, weil dann erst die Finanzmittel frei gegeben wurden. Noch trüber sieht der Verband die Lage bei Fahrzeugen. Bis 2008 seien von der Bahn, dem Hauptkunden, keinerlei Fahrzeugbestellungen für den Fernverkehr zu erwarten. Auch für den Regionalverkehr seien wenige Bestellungen in Sicht. "Das wird ein ganz schwieriges Szenario", sagt Clausecker. "Die Folge heißt weiterer Kapazitätsabbau bei unseren Firmen".
Clausecker warf der Bundesregierung in diesem Zusammenhang vor, keine einheitliche Verkehrspolitik zu betreiben. "Man kann nicht auf mehr Personenverkehr mit der Bahn hoffen und gleichzeitig den Flugverkehr steuerlich begünstigen."