Bahn-Sparkurs Ebbe am Schalter
Berlin - In diesem und im kommenden Jahr wolle die Bahn die Ticket-Vertriebskosten um rund 100 Millionen Euro senken, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf Äußerungen des Vertriebsvorstands Jochen Büchy.
Nachdem die Bahn die Zahl der Fahrkartenschalter und Reisezentren seit dem Jahr 2000 bereits von 896 auf 592 verringert habe, sollen nach Angaben der Zeitung in diesem und im nächsten Jahr außerdem 1000 von 4000 Stellen beim Ticketverkauf gestrichen werden. Die Kunden sollen sich umstellen und Tickets am Automaten ziehen oder über das Internet bestellen.
Der Anteil der am Automaten gezogenen Tickets soll demnach von einem Zehntel auf ein Fünftel steigen, der Anteil der Internet-Buchungen am gesamten Fahrkarten-Umsatz von 0,5 auf 5,9 Prozent zulegen. An den Schaltern solle im kommenden Jahr dann nur noch etwas mehr als jedes dritte Ticket abgeholt werden, heißt es in dem Bericht. Bisher wird noch jede zweite Fahrkarte am Schalter gekauft.
Auch bei den Provisionen für Reisebüros und Agenturen will die Bahn der "SZ" zufolge sparen. Bisher bekamen private Ticketverkäufer sieben bis zwölf Prozent des Preises, dieser Satz soll auf fünf bis acht Prozent sinken. Mehrere Reisebüros haben deshalb Protestaktionen angekündigt. Wie die Zeitung weiter berichtet, sind die Fernzüge der Bahn bislang nur zu 40 Prozent ausgelastet. Um das Staatsunternehmen attraktiv genug für eine teilweise Platzierung an der Börse zu machen, müsse dieser Anteil in den nächsten Jahren auf wenigstens knapp 50 Prozent gesteigert werden, heißt es unter Berufung auf ein internes Papier der Bundesregierung. Für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 plant die Bahn außerdem Sonderangebote: Laut "Berliner Zeitung" ist unter anderem bereits ein Kombiticket im Gespräch. Dabei handele es sich um eine Eintrittskarte zu einem WM-Spiel inklusive der kostenlosen Nutzung der Nahverkehrsmittel. Außerdem werde über ein WM-Ticket der Bahn nachgedacht, mit dem die Besucher während der WM durch das Land reisen können. Zur Fußball-Weltmeisterschaft vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 werden insgesamt 3,2 Millionen Eintrittskarten angeboten und bis zu 10 Millionen Besucher erwartet.