Bahn Sparzwang gefährdet Börsengang
Frankfurt am Main - Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtete, ab 2006 werde die Bahn voraussichtlich weniger als drei Milliarden Euro pro Jahr erhalten. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" (FTD) sollen die Gelder für den Ausbau und Erhalt der Schienen bis 2008 auf 2,86 Milliarden Euro jährlich sinken. Zum Vergleich: In diesem Jahr liegen die Zuschüsse bei 3,53 Milliarden Euro.
Beide Zeitungen beriefen sich auf ein internes Papier des Bundesverkehrsministeriums. Laut "SZ" wäre damit unter anderem die ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt gefährdet. Auch die ICE-Strecke Frankfurt/Main-Mannheim und der Ausbau der Strecke Hamburg-Lübeck müssten dann gestrichen werden, so der Bericht. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn erwägt demnach eine Umschichtung von Geldern zu Lasten des Bestandsnetzes, so dass wenigstens bis 2008 jährlich Investitionsmittel von 3,5 Milliarden Euro gesichert seien.
Laut dem Bericht der "FTD" ist durch die Sparpläne der bis 2006 geplante Börsengang der Bahn in Gefahr. Die Zeitung zitierte aus einem noch unveröffentlichten Expertengutachten der Investmentbank Morgan Stanley, in dem die derzeitige Börsenreife des Staatskonzerns kritisch beurteilt wird. Nach Ansicht der Gutachter wären für einen Börsengang mehr und nicht weniger staatliche Finanzhilfen nötig. "Bei nicht weiterem deutlichen Entgegenkommen des Bundes würden die Ampeln für den geplanten Börsengang der Bahn mehr oder weniger alle auf Rot stehen", zitiert die Zeitung das Fazit des Gutachtens.
Auch die derzeitige Geschäftsentwicklung des Schienenunternehmens sehen die Morgan-Stanley-Experten mit Sorge. Ein wichtiger Test ist ihrer Ansicht nach, ob die Bahn in diesem Jahr den geplanten Betriebsgewinn nach Zinsen von 310 Millionen Euro schaffen wird. Der Auslastungsgrad der Züge im verlustreichen Fernverkehr müsse dazu erheblich steigen. Schon geringe Abweichungen würden den Börsengang erheblich gefährden. Im ersten Quartal 2004 hatte der Staatskonzern aufgrund abermals hoher Verluste im Fernverkehr statt einem einkalkulierten Minus von 17 Millionen Euro einen Betriebsverlust nach Zinsen von 82 Millionen Euro eingefahren.
Bundesverbraucherministerin Renate Künast rief die Bahn dagegen auf, im ländlichen Raum ein ausreichendes Serviceangebot sicherzustellen. Der geplante drastische Abbau von Kundencentern und Personal dürfe nicht dazu führen, dass sich der Service verschlechtert und die Attraktivität der Bahn insgesamt leidet, sagte die Grünen-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ihrer Meinung nach ist es eine Bedingung für den angestrebten Börsengang, dass die Bahn den öffentlichen Verkehr in der Fläche sichert. Die Bundesregierung werde darauf achten, wann und unter welchen Konditionen die Bahn Börsenreife erlange. In dieser Frage sei man noch sehr "ergebnisoffen", so Künast.