Bahn-Streik Lokführer vergrätzen Hafenarbeiter
Hamburg - Die Lage in Deutschlands Häfen spitzt sich zu. In Hamburg kommt die Hälfte der Güterzüge verspätet an - oder gar nicht. Beim An- und Abtransport von Waren mit der Bahn gebe es erhebliche Störungen, sagt eine Sprecherin des Hafenunternehmens HHLA.
Container im Hamburger Hafen: Der große Ärger steht erst noch bevor
Foto: APImmerhin: Auch am dritten Tag des Lokführer-Streiks im Güterverkehr gibt es an den Terminals keine Platzprobleme. "Es läuft noch", sagt eine Sprecherin der Hamburg Port Authority. Doch der große Ärger steht erst bevor: Denn nach Streikende müssen die liegengebliebenen Container abgefertigt werden. Die wirkliche Arbeit beginne erst am Samstag, sagt die Sprecherin der Hafenbehörde. "Die Kollegen stöhnen jetzt schon, wenn sie daran denken." Die Hafenbehörde rechnet noch mindestens vier bis fünf Tage nach Streikende mit Auswirkungen auf den Güterumschlag.
Insgesamt geben sich die Verantwortlichen in Deutschlands Häfen aber optimistisch. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das Ende des Streiks relativ entspannt erleben werden", sagt die Sprecherin der Hamburger Hafenbehörde. Auch in Bremen und Bremerhaven werde der Hafenbetrieb "nicht entscheidend gestört", heißt es beim Betreiber "Bremenports".
Im Lübecker Hafen gibt es einem Sprecher zufolge "massive Probleme, die wir aber weitgehend noch lösen können". Der größte deutsche Ostseehafen verlagert nun einen großen Teil seines Papierumschlags von der Schiene auf die Straße. Normalerweise wird das aus Schweden und Finnland eintreffende Papier täglich auf 100 Bahn-Waggons und 500 Lastwagen verladen - derzeit verlassen nur 15 Waggons mit Papierlieferungen den Hafen, dafür aber 200 zusätzliche Lastwagen am Tag.
Die zusätzliche Lkw-Beladung verursacht nach Angaben der Lübecker Hafen-Gesellschaft Überstunden und damit Zusatzkosten. "Wir sind aber noch nicht so voll, dass wir nichts mehr annehmen können", sagt ein Sprecher. "Schiffe müssen noch nicht umkehren."
Laut Lokführergewerkschaft GDL haben sich im Bezirk Nord bis heute Morgen 880 Lokführer und Zugbegleiter am Streik beteiligt. "Der Güterverkehr läuft nur mit erheblichem Schwerlauf", berichtet der stellvertretende Bezirksvorsitzende Lutz Schreiber. Der Bezirksvorsitzende Norbert Quitter sagt, man müsse sehen, wie lange die Bahn noch verbeamtete Lokführer einsetzten könne, um ihre Ersatzfahrpläne aufrechtzuerhalten.
Auch die Bahn selbst gibt massive Schwierigkeiten zu. Die Lage habe sich "dramatisch zugespitzt", sagt ein Bahn-Sprecher: "In Ostdeutschland werden nur noch die ganz wichtigen Versorgungszüge gefahren." Im Westen könne immerhin eine Grundversorgung aufrechterhalten werden.
Weniger Auswirkungen hat der Streik dagegen im Personenverkehr. Wie schon in den Wochen zuvor haben sich die Reisenden offenbar auf den Arbeitskampf eingestellt. Auch die befürchteten Mega-Staus auf den Straßen sind ausgeblieben. "Es war sehr ruhig heute, viel ruhiger als gestern", sagt ADAC-Verkehrsexpertin Maxi Hartung. Der Berufsverkehr habe erneut früher eingesetzt und etwas länger angehalten, es habe aber weniger Staus gegeben als an normalen Freitagen.
wal/AFP/dpa