Bahn-Tarifkonflikt: Lokführer starten Wellen-Streik - DER SPIEGEL
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Bahn-Tarifkonflikt Lokführer starten Wellen-Streik

Der Streik im Güterverkehr der Bahn hat begonnen. Er trifft ganz Deutschland - aber nicht sofort: Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Arbeitskämpfe als "langsame Welle" geplant. Die Verkehrsminister rechnen mit Verkehrschaos auf den Straßen, die Wirtschaft bereitet sich mit Notfallplänen vor.
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Hamburg - "Wir bestreiken die Güterzüge in der ganzen Republik", sagte der Vizechef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky. "Schwerpunkt wird Ostdeutschland sein, weil wir dort stärker organisiert sind." Einem GDL-Sprecher zufolge sollten aber auch Güterbahnhöfe wie Köln-Eifeltor, Mannheim oder Maschen bei Hamburg sowie die Häfen Hamburg und Rostock betroffen sein.

Güterzüge in Maschen bei Hamburg: "Bahnhöfe sollen nach und nach voll laufen"

Güterzüge in Maschen bei Hamburg: "Bahnhöfe sollen nach und nach voll laufen"

Foto: DPA

Weselsky kritisierte, dass er von der Bahn weiterhin keine Signale gebe, die die GDL zurück an den Verhandlungstisch brächten. "Wir kommen zu Verhandlungen, wenn man uns ein Angebot macht, in dem etwas über Arbeitszeit und Gehalt steht", sagte er. Die Bahn hatte gestern die GDL nach deren Streikankündigung schriftlich zu Tarifverhandlungen eingeladen, ohne allerdings, wie von der Gewerkschaft gefordert, ein konkretes Angebot vorzulegen.

GDL-Chef Manfred Schell hatte zuvor angekündigt, von heute Mittag an den Güterverkehr der Deutschen Bahn 42 Stunden lang zu bestreiken. Mit den Streiks will die GDL der Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag, besseren Arbeitszeiten und bis zu 31 Prozent mehr Geld durchsetzen. Hauptstreitpunkt in dem seit Monaten andauernden Tarifkonflikt ist ein eigenständiger Tarifvertrag für die Lokführer. Allerdings soll sich dieser "konflikt- und widerspruchsfrei" in das Gesamttarifsystem der Bahn eingliedern. Bahn und GDL werden sich dabei nicht einig, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden kann.

Details zu den Streikplänen gab die GDL nicht bekannt. Nach Angaben der Gewerkschaft sollen die Ausstände aber als "langsame Welle" beginnen. Seit 12 Uhr würden Güterverkehrszentren und Rangierbahnhöfe nach und nach "volllaufen", sagte der GDL-Bezirkschef in Berlin-Sachsen-Brandenburg, Hans-Joachim Kernchen. Wenn Züge nicht aus den Anlagen herausführen, seien die Kapazitäten irgendwann erschöpft. Mit längerer Streikdauer dürften die Auswirkungen immer stärker sichtbar werden. Zu rechnen sei auch damit, dass Güterzüge an Bahnhöfen und auf Überholgleisen stehen bleiben.

Ein GDL-Sprecher sagte, die Streikbereitschaft sei sehr hoch. Er unterstrich, die Lokführer würden ihre Züge nicht einfach auf dem Gleis stehen lassen, sondern sie in den nächsten Bahnhof fahren.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz der Bundesländer, Karl Heinz Daehre (CDU), wird der Streik im Güterverkehr in wenigen Tagen zu einem "Verkehrschaos auf den Straßen führen". Es werde zwar nicht von Beginn an Probleme geben, "weil natürlich die Betriebe eingestellt sind darauf, dass dieser Streik beginnt", sagte Daehre im Südwestrundfunk. "Aber das ist nur eine Frage von Stunden." Nach seiner Einschätzung würde ein längerer Streik im Güterverkehr die Volkswirtschaft täglich dreistellige Millionenbeträge kosten. Daehre, Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, appellierte an Bahn und Lokführergewerkschaft GDL, sich zu einigen. "Die haben eine Verantwortung und der müssen sie nachkommen", sagte er.

Die Wirtschaft hat sich bereits seit Tagen auf einen Streik im Schienen-Güterverkehr vorbereitet und Notfallpläne ausgearbeitet. Manche Unternehmen trafen mit der Bahn Sondervereinbarungen, wie die Anlieferung von Material trotz Streiks geregelt werden könne. Bei einem längeren Ausstand drohen nach übereinstimmender Einschätzung von Experten dennoch große Schäden für Produktion und Export.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale kritisierte das Verhalten der GDL scharf. "Die GDL legt Deutschland lahm, das ist eine ernsthafte Bedrohung", sagte Suckale im ZDF-"Morgenmagazin". Sie warnte vor Auswirkungen auf Arbeitsplätze in der Wirtschaft. Viele Bahn-Kunden hätten aufgrund des Streiks bereits Kurzarbeit angemeldet.

Befürchtungen, der Streik werde drastische Folgen haben, wies GDL-Chef Schell zurück. "Es wird weder einer verhungern, noch wird einer erfrieren in Deutschland." Das Recht, auch im Personenfernverkehr und im Güterverkehr zu streiken, hatte sich die GDL am vorigen Freitag vor dem Sächsischen Landesarbeitsgericht in Chemnitz erkämpft. Im Güterverkehr der Deutschen Bahn sind laut GDL 5400 Lokführer beschäftigt, von denen 80 Prozent in der Gewerkschaft organisiert sind. Sollte die Bahn kein neues Angebot vorlegen, droht die GDL, in der kommenden Woche im Regional-, Fern- und Güterverkehr zu streiken.

kaz/dpa/AP/ddp

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