Bahn-Tarifstreit Ab Donnerstag drohen neue Streiks
Frankfurt am Main Die Lokführergewerkschaft GDL und die Bahn gehen wieder auf Konfrontationskurs. Miteinander sprechen wollen beide allerdings fordert die Bahn sofortige Tarifverhandlungen. Die GDL will ein Sondierungsgespräch am Mittwoch. Erst dann könne über eine Rückkehr an den Verhandlungstisch gesprochen werden.
Auslöser dieser jüngsten Streiterei ist das neue Tarifangebot, das die Bahn der Gewerkschaft gestern vorgelegt hat. Nach Ansicht der GDLer ist es eigentlich keins. So bietet die Bahn jetzt einen "eigenen Tarifvertrag", die Gewerkschaft hatte aber einen "eigenständigen Tarifvertrag" gefordert, weil nur der ihr die verlangte ausschließliche Zuständigkeit für die Belange der Lokführer einräume. Der Konzern beharrt zudem auf dem Angebot von zehn Prozent Gehaltserhöhung, das zwei zusätzliche Überstunden für jeden Lokführer bedeuten würde. Die GDL aber will, dass die Wochenarbeitszeit gesenkt wird.
Auch der einmalige Bonus von 2000 Euro, den die Bahn den Lokführern erstmals versprach, sei keine Verbesserung, hieß es gestern: Eine Einmalzahlung von 600 Euro für jeden Mitarbeiter gehört bereits zum Tarifpaket, das die Bahn mit den GDL-Konkurrenzgewerkschaften GDBA und Transnet verhandelt hat. Die übrigen 1400 Euro sollen für bereits geleistete Überstunden bezahlt werden. "Das sind Leistungen, die den Lokführern ohnehin vergolten werden müssen, wie auch immer das passiert", empörte sich gestern GDL-Vize Günther Kinscher. Bisher wird Mehrarbeit auf Arbeitszeitkonten gutgeschrieben.
Trotzdem wollen die Lokführer über das Angebot mit der Bahn ein "klärendes Gespräch" führen auch, weil viele Details der Offerte laut Gewerkschaft noch unklar sind. Die Bahn hat aber den angebotenen Termin am Mittwoch noch nicht zugesagt. "Wenn die Bahn weiter auf Tarifverhandlungen pocht, schließen wir Streiks ab Donnerstag nicht mehr aus", sagte der Vize der Lokführergewerkschaft GDL, Günther Kinscher, deshalb heute.
Was auf dem Spiel steht, ist der Gewerkschaft klar. Denn nun gleitet der festgefahrene Tarifstreit in die Zankerei um Formulierungen und Einzelheiten ab und das ist der Öffentlichkeit schwer zu vermitteln. GDL-Chef Manfred Schell gestand in einem ARD-Gespräch ein, im Fall weiterer Streiks müsse die Gewerkschaft befürchten, die Sympathie der Bahnkunden zu verlieren. Aber das neue Bahn-Angebot habe "nichts mit dem zu tun, wofür wir in die Tarifverhandlungen gegangen sind", fügte er hinzu. Die GDL wolle nicht streiken, sondern verhandeln: "Wir wollen am Mittwoch mit der Bahn noch ein Gespräch führen über viele Zweifelsfragen, die in ihrem Papier drinstehen."
"Und wenn dieses Gespräch dann die Grundlage bietet für Verhandlungen, werden wir selbstverständlich die Verhandlungen aufnehmen, und während wir verhandeln, werden wir nicht streiken." Am Mittwoch werde daher auf keinen Fall gestreikt.
ase/AP/Reuters