Bahn-Tarifverhandlungen vertagt Showdown der Sturköpfe
Berlin - So friedlich wie dieser Tage erlebt man GDL-Chef Manfred Schell selten. Drei Stunden verhandelte er am Nachmittag mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn über einen Tarifvertrag der Lokführer, dann zogen sich beide Tarifparteien zunächst zu getrennten Beratungen zurück. Am Abend wurden die Gespräche fortgesetzt - um Mitternacht jedoch ergebnislos vertagt.
Auf die Frage, wie es so laufe, hatte Schell zuvor geantwortet: "Wir arbeiten daran, dass etwas Positives zustande kommt." Zu seinen Erwartungen sagte er lakonisch: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Zu inhaltlichen Details äußerte er sich nicht.
Immerhin: Der Tonfall des Chefs der Lokführergewerkschaft ist sehr viel wohlmeinender als vor den Verhandlungen. "Mogelpackung" hatte er unlängst noch das Angebot genannt, mit dem Mehdorn in die Verhandlungen gegangen war: "Wir wollen einen wirklichen eigenständigen Tarifvertrag und keine Worthülse." Auf den Tonfall allein kommt es jedoch nicht an. Falls Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn der GDL nicht weitere Zugeständnisse macht, drohen den Bahnreisenden wieder Streiks - dann vielleicht unbefristet.
Bahn und GDL ringen seit Wochen um einen Tarifvertrag. Schell hatte sich nach einem neuen Angebot der Bahn in der vergangenen Woche bereit erklärt, Verhandlungen aufzunehmen. Das neue Tarifangebot sieht bis zu 13 Prozent mehr Gehalt für die Lokführer vor - allerdings werden 5 Prozentpunkte davon nur über Mehrarbeit erreicht, weitere 2,5 Prozentpunkte sollen über höhere Zulagen gezahlt werden. Die GDL dagegen will weniger Arbeit und eine Erhöhung des Grundgehalts im zweistelligen Prozentbereich, damit es sich auch auf die Rente auswirkt. Der größte Streitpunkt: Die Bahn will der GDL einen eigenen Tarifvertrag nur unter der Bedingung zugestehen, dass er sich "konflikt- und widerspruchsfrei" ins Gesamttarifwerk einfügt.
Mehdorn verteidigt in "Bild" die neue Offerte der Bahn: "Wir bieten jedem Lokführer mindestens acht Prozent mehr Geld. Davon können Millionen Arbeitnehmer und Rentner nur träumen. Wie man das ablehnen kann, ist mir schleierhaft."
ssu/AP/AFP/dpa/ddp