Bahnfahrten Je billiger desto mehr
Bielefeld - Kunden, die "normalerweise nicht Bahn fahren", habe er locken wollen, erklärte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn vor einigen Tagen im tagesthemen-Interview. Der Supermarkt-Verkauf sei eine reine Werbeaktion gewesen.
Dass der enorme Erfolg der Aktion etwas mit den preiswerten Karten - beim Discounter Lidl kostete das deutschlandweit gültige Doppelticket knapp 50 Euro - zu tun habe, wollte er aber nicht eingestehen: Bahnfahren sei immer günstig, das Tarifsystem klar und verständlich.
Im Fern- und Güterverkehr, sagte der Bahn-Chef der "Frankfurter Rundschau", mache die Bahn außerdem weiterhin Minus, weshalb Mehdorn hier eher an Preiserhöhungen denke. Die Ursache für die mangelnde Auslastung sieht er bei der "unfairen Konkurrenz" durch "subventionierte" Billigflieger - von denen er sich im Falle einer Preiserhöhung im Fernverkehr allerdings noch weiter entfernen würde.
Zunächst aber sollen zwei weitere Werbeaktionen mit Billigtickets folgen, wenn auch "nicht im Supermarkt", wie Mehdorn Mitte der Woche sagte.
Vom 12. Juni an wirbt die Bahn mit zwei Sonderangeboten um Kunden, wie das "Westfalen-Blatt" in seiner Samstagsausgabe berichtet. Diesmal werden die günstigen Fahrkarten als "Sommer-Spezial" und "Europa-Spezial" angeboten: Für 29 Euro sei das Sommer-Ticket für eine Fahrt in der zweiten Klasse quer durch Deutschland erhältlich. Erster möglicher Reisetag sei der 15. Juni. Das Angebot gelte bis zum 15. August.
Wer selbst druckt, zahlt weniger
Die Preise gelten für den Kauf an einem der 3000 Automaten für den Fernverkehr oder im Internet, meldet das Blatt. Wer sich sein Ticket nicht selbst ausdruckt, sondern ausdrucken lässt, zahlt mehr: In den Reisezentren und DB Agenturen sei die Fahrkarte fünf Euro teurer. "Sommer-Spezial" gelte ab allen Bahnhöfen in Deutschland.
"Europa-Spezial" gebe es zu drei Preisen: 19, 29 und 39 Euro für die einfache Fahrt ebenfalls in der zweiten Klasse. Das Angebot gelte bis zum 10. Dezember. Gebucht werden könnten preisgünstige Fahrten nach Tschechien, in die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Polen, in die Schweiz, Dänemark, Italien, in die Slowakei und Kroatien. Startbahnhöfe seien Dresden, Hannover, Köln, Stuttgart, Berlin, Hamburg, München, Nürnberg und Frankfurt.