Bahnfunk Arcor-Chef will sich Mehdorn nicht beugen
Hannover - "Ich muss nicht im Besitz der Anlagen sein", erklärte Stöber am Donnerstag gegenüber SPIEGEL ONLINE auf der Computermesse Cebit. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass Arcor keinesfalls den Betrieb des Netzes aus der Hand geben wolle. Das Unternehmen ist auf die Einnahmen aus Service und Wartung angewiesen: Schließlich machen sie ein Drittel des Gesamtumsatzes aus.
Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" die Rückgabe des einst bahneigenen Telefonnetzes gefordert, das das Unternehmen Anfang 1997 an Arcor verkauft hatte. Es handelt sich um 40.000 Kilometer Leitungen entlang der Gleise, über die der Zugverkehr gesteuert wird. Der Vertrag sieht vor, dass die Bahn bis 2008 ausschließlich über Arcor telefonieren muss - ein schlechter Deal, wie Mehdorn im Nachhinein findet. Die Summe der jährlichen Nutzungsgebühren hat längst den Verkaufspreis überschritten.
Stöber bestätigte Gespräche mit der Bahn über einen Rückkauf. Er habe aber kein Signal erhalten, dass Mehdorn die absolute Kontrolle über das Netz wolle. Dies hätte die Zweiteilung Arcors zur Folge - eine Perspektive, die für Stöber unannehmbar ist.
Dennoch zeigt sich der Arcor-Chef kompromissbereit. Kein Wunder: Die Vodafone-Tochter strebt den Börsengang an, und die Deutsche Bahn hat mit ihrem 18-Prozent-Anteil ein Mitspracherecht bei allen wichtigen Entscheidungen. Die Umwandlung des zweitgrößten deutschen Festnetzbetreibers in eine Aktiengesellschaft hängt von ihrer Zustimmung ab. Ende 2000 hatte die Bahn den Börsengang bereits blockiert, weil sie damit die Kontrolle über das Zugfunknetz verloren hätte.
Doch auch in diesem Jahr dürfte der Gang an die Börse ausfallen, denn ein konkretes Angebot für den Rückkauf hat Mehdorn laut Stöber noch nicht vorgelegt.